Die Frau steht am Eingang des Hallenbads Uitikon (3700-Seelen-Gemeinde eingangs Limmattal). Ihr trauriges Gesicht blickt ins Leere. Eigentlich möchte sie in die Sauna. Aber ihr Zehner-Abonnement ist ausgelaufen. Im Necessaire kratzt sie 20 Franken Münz zusammen, das Portemonnaie ist zu Hause. Ein Einzeleintritt kostet aber 22 Franken.

«Wie lange sind Sie noch da?», fragt die Frau. Die deutsche Kassierin antwortet: «Eine Stunde.» Die Frau fragt: «Darf ich Ihnen die fehlenden zwei Franken nachher geben? Meine Freundinnen sind bereits drin und können mir etwas ausleihen.» Antwort: «Auf keinen Fall. Hier wird gar nichts nachträglich in die Kasse gelegt.»

Was tun in einem solchen Moment? Sich ärgern? Bestimmt. Nach Hause gehen? Würde die Frau, Kundin im Hallenbad seit 20 Jahren, am liebsten. Aber sie zögert. Es bleibt Zeit für Gedanken. Ist das Misstrauen auf dieser Welt schon so gross geworden? Sind sie vorbei, die Zeiten, in denen man einander für ein Versehen aus der Klemme half? In dem Moment verlässt eine andere Frau das Bad. Und gibt der Frau zwei Franken. Geschenkt, nicht geliehen. (ewu)