Zeigen oder nicht zeigen, das war letzte Woche in vielen Chefredaktionen die Frage. Ja, das Titelbild der neusten Ausgabe von «Charlie Hebdo» müsse man seiner Leserschaft unbedingt vorlegen, argumentierten die einen. Das sei journalistische Pflicht und unterstreiche die Meinungsfreiheit. Nein, auf keinen Fall zeigen, meinten die anderen. Das sei eine weitere Provokation gegenüber der muslimischen Welt und könne religiöse Gefühle verletzen.

Und während Publizisten in Talkshows sinnierten, ob sie die Karikatur mit dem weinenden Mohammed der Öffentlichkeit zutrauen sollten, hatte das Bild jeder halbwegs medial patente Jugendliche bereits gegoogelt, getwittert, geteilt, geliked oder sonst irgendwo gesehen. Das Satireheft selber erreichte mit einer Auflage von über drei Millionen Exemplaren ohnehin fast jeden Winkel der (westlichen) Welt.

Massenmedien können solche Sujets bringen. Oder auch nicht. Herrschaft und Kontrolle über den Lauf einzelner Informationen haben sie aber längst verloren. Das ist in einer Demokratie gut so. Und in Diktaturen wie Gottesstaaten sowieso.