Es war ein drückend heisser August-Tag, als ich es sah. Es strahlte in güldener Farbe. Mit Engelswolken und Geschenkschleifen verziert. Ein Plakat für eine Weihnachts-Revue. Es versprach «Hospitality» und irgendeine «Christmas Show». Es war ein Tag Anfang August. Der Schweiss tropfte mir von der Stirn.

Die Welt ist aus den Fugen.

In vier Monaten ist Weihnachten. In vier Monaten! Ich freue mich nicht darauf. Ich mag Weihnachten nicht. Und zwar unter anderem genau wegen solcher Plakate. Wer, ich frage Sie, kauft im August Karten für eine Weihnachts-Show? Aber weit schlimmer: Solche Plakate machen unglücklich.

Wir leben in einer Welt, deren Tempo uns alle latent überfordert. Geschäftsmail anschauen, parallel dazu über zehn Whatsapp-Gruppenchats Wichtiges und Unwichtiges sharen, twittern, tickern, senden, empfangen.

Das Letzte, wirklich das Allerletzte, was wir in dieser überhitzten, überdrehten Welt brauchen, in der alles jetzt und nichts morgen ist oder gestern war, das Letzte, was wir brauchen, ist, dass Weihnachten jetzt schon im August beginnt.