Sollte es jemand noch nicht bemerkt haben: Die SVP ist zur Intellektuellen-Partei verkommen. Zumal das Zürcher Parteikader ist von Intellektuellen durchsetzt. Die Personalie Roger Köppel bildet nur das jüngste Kapitel einer eindrücklichen Liste: Kurz zuvor hatte die Partei den Jusprofessor Hans-Ueli Vogt als Ständeratskandidaten aufgestellt. Seit 2012 sitzt der feingeistige Jurist und Freizeitpianist Gregor Rutz im Nationalrat, und Christoph Mörgeli gehört im Bundeshaus längst zum Inventar.

Woher rührt die Affinität der Intellektuellen für die SVP? Eine plausible Antwort stammt von Hannah Arendt, leider ebenfalls eine Intellektuelle. Sinngemäss hatte sie einmal gesagt: Eine Eigenheit Intellektueller ist es, dass ihnen noch zum gefährlichsten Schwachsinn ganz fantastische, über dem Niveau schwebende Dinge einfallen.

In unserer Polemik wollen wir das so übersetzen: Intellektuelle müssen sich an einer tollen Idee berauschen können. Und den Stoff für die richtig tollen Ideen haben die biederen Parteien FDP oder CVP nun einmal nicht zu bieten. Der Stoff für die verstiegenen Gedankengänge stammt von den radikaleren Rändern. Und wenn sie noch dazu von der wählerstärksten Partei kommen – dann fühlt sich der an seiner Einsamkeit leidende Intellektuelle besonders wohl.