Ihr Finger gleitet durch die Reihen von Stunde, Tag und Namen. Wir helfen und sagen, unser Termin beim Zahnarzt sei am Mittwoch. Ihr Finger stoppt, die Assistentin sagt: «Genau.» Als hätte sie es immer schon gewusst. Als hätte sie uns bloss vor eine Gedächtnisprüfung gestellt. «Und jetzt müssen wir den Mittwoch verschieben», sagen wir. «Genau», sagt sie, als sei das auch ihr Wunsch. Auf Montag? Wieder fährt ihr Finger durch die Stunden. «Fünf Uhr», sagt sie, «wäre noch frei.»
«Sie meinen siebzehn Uhr?» «Genau.» 

Die Seuche heisst «genau». Es gäbe an sich das runde «Ja». Es gäbe als Variation auch mal ein «Jawohl», ein «richtig» oder ein «stimmt». Heute aber ist alles nicht bloss affirmativ, sondern genau. Wer auf die Marotte achtet, wird tobsüchtig. Es wimmelt von «genau», besonders unter der Jugend. Jedes Mal ist es begleitet vom überheblichen Anflug, das Gegenüber als Schnecke des Kapierens aufholen zu lassen, bei etwas, das alle sonst längst gecheckt haben. Wer «genau» sagt, hat Vorsprung.

Am folgenden Mittwoch bin ich etwas zu früh. «Sie dürfen noch im Wartezimmer Platz nehmen», sagt die Frau am Empfang. «Dürfen?», fragen wir. «Genau.»

Was ist Ihre Meinung?