Mir graut vor den Weihnachtstagen. Neben der «Überesserei», dem Familienstreit und dem unvermeidlichen Kater ist da nämlich noch die andere Sache. Die Sache, die Frauen ab 25 Jahren, die Single und kinderlos sind und zum Fest ein paar Tage in ihre Heimat kehren, jährlich erwartet: alte Bekannte, alte Freunde oder alte Verwandte fragen stets saudumm: «Wann gibts Nachwuchs? Hast du keinen Mann? Wie, du bist Single?». 

Irgendwie verständlich. In ihrem Leben passiert nichts, sie haben seit gefühlten 100 Jahren denselben Mann, ihre Fratzen sind ihr einziges Hobby. Also stürzen sie sich wie Aasgeier auf die Wiederkehrenden. Und diese stammeln alle Jahre wieder Sätze wie: Ich habe studiert, ich will erst arbeiten oder mein Freund und ich wollen erst Zeit zu zweit haben oder ich war lange in einer Beziehung, jetzt geniesse ich es, ungebunden zu sein.

Der Ausdruck der Zurückgebliebenen suggeriert Schock. Manchmal setzen sie gar noch einen drauf: «Willst du denn nicht jung Mutter sein?», fragen sie. «Äh, ich bin jung», stottert man dann verdattert. Aber eigentlich will man schreien: FRAGT DOCH NICHT IMMER SO SAUDUMM!