Polemik

Das Vorzimmer des Vorzimmers

Auch für Journalisten heisst es immer öfters: Bitte warten!

Auch für Journalisten heisst es immer öfters: Bitte warten!

Die Zeiten der kurzen Dienstwege sind vorbei: Als Journalist wird man immer öfters nicht einmal mehr direkt zur Pressestelle vorgelassen, sondern muss zuerst bei deren Sekretariat anklopfen.

Mit Wehmut erinnern sich erfahrene Journalisten an vergangene Tage, als sie noch direkt den CEO von Firma X (der damals wohl noch Direktor hiess), den Chefbeamten von Departement Y und vielleicht gar Bundesrat Z direkt anrufen konnten – so erzählen sie es den jüngeren Semestern zumindest.

Das ist längst vorbei. Der Kontakt zwischen Medienschaffenden auf der einen und Verwaltung oder Unternehmen auf der anderen Seite läuft heutzutage in der Regel über die Pressestellen. Die Absicht dahinter ist klar: Eine kommunikationstechnische Kakofonie soll verhindert werden.

Das ist publizistisch zwar bedauerlich, aus Sicht der Befragten aber nachvollziehbar. Doch was in jüngster Zeit Einzug hielt, ist zu viel des Guten: Immer häufiger nimmt nicht die Pressestelle das Telefon ab, sondern deren Sekretariat. Also das Vorzimmer des Vorzimmers.

Dieses richtet mit Vorliebe aus, dass man die Fragen doch bitte per Mail schicken solle, um dann eine möglichst nichtssagende Antwort zu liefern. Wie lange dauert es noch, bis auch das Sekretariat der Pressestelle des CEOs endlich sein eigenes Sekretariat erhält?

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