Polemik

Blumenmobbing

Der runde Geburtstag einer Autorin sorgt für Ärger. (Symbolbild)

Der runde Geburtstag einer Autorin sorgt für Ärger. (Symbolbild)

Wir brauchen Frauen für grosse Interviews: eine oft gehörte Forderung auf Redaktionen.

Kürzlich stand ein solches an. Der runde Geburtstag eines erfolgreichen Autors mit neuem Buch in der Pipeline: ein Sahnehäubchen im Leben einer Literaturredaktorin. Das Treffen war vereinbart. Da drängte sich ein Kollege einer anderen Redaktion dazwischen. Mit ihm verbunden die Weisung: kein «Gärtlidenken».

Man sollte also zu zweit ans Treffen. Einen inhaltlichen Grund dafür gab es nicht. Was das heissen könnte, kündigte sich an: Der Kollege «mansplainte», wie das Gespräch aufzuteilen sein. Man könne ja nach Gespräch und Buchrezension trennen. Klar: Die Literaturredaktorin konnte sich darauf nicht einlassen. Wie es ausging? Der Kollege machte das Interview. Und? Mässig.

Wieso wird «Gärtlidenken» nur angeführt, wenn es um Prachtsblumen geht, die ins grosse Schaufenster gestellt werden? Und warum heisst, was bei ihm als engagiert gelobt wird, bei ihr noch immer karrieregeil?

Der Vorfall ereignete sich nicht bei dieser Zeitung. Aber er könnte sich auch hier ereignen. Oder sonst wo. Und natürlich geht es bei der Forderung nach Frauen normalerweise um die andere Gesprächsseite.

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