Polemik

Auf rauen Pfaden zur Kunst

Die aufblasbare Konzerthalle kam 2014 am Lucerne Festival Ark Nova im japanischen Sendai zum Einsatz. Sie bietet Platz für rund 500 Zuhörer.

Die aufblasbare Konzerthalle kam 2014 am Lucerne Festival Ark Nova im japanischen Sendai zum Einsatz. Sie bietet Platz für rund 500 Zuhörer.

Wer Kunst geniessen will, muss erst einmal in den Konzertsaal gelangen - was zu Probleme führen kann. Unsere Autorin musste das am eigenen Leib erfahren.

Am Lucerne Festival fängt die Kunst schon in der Garderobe an. Allerdings sah es zunächst nicht danach aus: «Sie! Ja, Sie!», herrschte mich eine Frauenstimme in der Garderobe an. «DAS können Sie nicht mit in den Konzertsaal nehmen.» Gleichzeitig zeigte ein ausgestreckter Finger so vorwurfsvoll auf «DAS» (meine grosse Büro-Handtasche), als würde ich versuchen, den Saal mit einem grunzenden Ferkel unter dem Arm zu betreten.

Ich versuchte, dem Vorfall keine Bedeutung beizumessen. Doch wenige Tage später, als ich in der Dependance Lukaskirche nach einem Konzert die Nebenräumlichkeiten aufsuchen will, bafft es: «Hier ist kein Durchgang!» Die Einlasserin stellt sich sogar gebieterisch vor die Tür, die in der Pause noch offen stand. Auf meinen Hinweis auf die eben noch offene Tür skandiert sie stur ihr Mantra «Hier ist kein Durchgang», als stünde eine Begriffsstutzige vor ihr.

Ich bin erschüttert über so viel Grobheit. Erst im Zug fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Schon Beethoven und Schumann arbeiteten nach dem dramaturgischen Prinzip «per aspera ad astra», zu Deutsch «über raue Pfade zu den Sternen». Und am Lucerne Festival ist – wie gesagt – alles Kunst.

Meistgesehen

Artboard 1