Das Zitat erstmals gedruckt hat «Der Spiegel». Das ist schon eine Weile her, widerrufen wurde die Aussage aber nie: «Wir beschliessen etwas, stellen es dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein grosses Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.» Es existiert noch eine etwas kürzere Abwandlung des gleichen Gedankens: «Die Dinge müssen geheim und im Dunkeln getan werden. Wenn es ernst wird, müssen wir lügen.»

Der Mann, der dies alles gesagt haben soll – dieser Jean-Claude Juncker dürfte nun also Chef der EU-Kommission werden. Fürs Projekt Europa ist die Personalie gewiss kein Problem. Denn wenn die jüngsten Europaratswahlen mit den Erfolgen der Rechtspopulisten etwas gezeigt haben, dann dies: Die EU hat kein Glaubwürdigkeitsproblem innerhalb ihrer Mitgliedsländer; da erträgts auch einen bekennenden Lügner an der Spitze. Anders sieht die Sache allenfalls ausserhalb Europas aus: Wir Schweizer haben schon immer gewusst, was für Volksverächter in Brüssel am Werk sind. So dreist wie Juncker ist hierzulande niemand. Kein Schweizer Politiker würde es je wagen, seine sinistren Ansichten vor Journalisten kundzutun. Unsere Politiker – sie handeln eben noch und reden nicht nur.(cav)