Es sind jetzt dann bald zwei Jahre her, seit ich zu Max und Moritz in die Katzen-WG gezogen bin. An einem schönen Samstag im Spätsommer 2013 haben mich zwei Zweibeiner von meiner Mama weggeholt. Ich war damals knapp drei Monate alt, ein wenig unsicher und sehr traurig. Ohne meine Mama zu leben, konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Ich wusste damals ja noch nicht, wie schön ich es von nun an haben würde.

Die beiden Zweibeiner steckten mich in einen vergitterten Korb und brachten mich in einem röhrenden Ungetüm weg. Ich maunzte kläglich, denn zuerst glaubte ich, dass ich den Rest meines Lebens in diesem Gefängnis zubringen müsse. Doch zum Glück öffneten die Zweibeiner den Korb bald – und ich fand mich in einer völlig neuen Welt wieder. Vor allem waren da zwei andere Katzen, nicht meine Mama und auch nicht mein Schwesterchen. Zwei riesige Kater waren das.

Katzenliebe - Moritz und Mutzeli haben sich furchtbar gern

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Rangkämpfe

„Hallo, du kleines graues Ding, wir sind Max und Moritz. Und wir raten dir, immer schön brav das zu machen, was wir dir sagen. Dann wird es dir hier gut gehen“, sagten die beiden.

Ungefähr einen halben Tag lang hatte ich grosse Angst vor Max und Moritz. Ich wich ihnen aus, versteckte mich in allen möglichen Ecken. Wenn wir uns doch begegneten, fauchte ich sie an. Aber dann fiel mir ein, dass ich eine Katze aus dem Aarauer Scheibenschachen bin. Die haben gute Gene, sind stark und tapfer und durchsetzungsfähig, heisst es. Also wurde ich einfach auch frech, wenn Max und Moritz mir frech kamen. Das machte den beiden Eindruck.

Besonders mit Moritz habe ich mich bald angefreundet. Moritz ist unglaublich gross und stark – ein Monsterkater. Sehr selbst bewusst ist er auch. Mir war von Anfang an klar, dass er der Alpha-Kater in unserer WG ist, der wahre Chef. Ich habe ihn sehr gern und er ist mein grosses Vorbild.

Vom Alten lernen

Von Moritz habe ich viel gelernt, was für ein Katzenleben nützlich sein kann. Meine Mama hat mir ja in den ersten zwölf Wochen das Wichtigste beigebracht. Aber Moritz hat meine Ausbildung perfektioniert. Er hat mir sämtliche Schränke und Regale gezeigt, auf die man in unserer Wohnung raufspringen kann. Wow! Da hat man doch eine ganz andere Sicht auf alles. Er hat mich gelehrt, wie ich Max von seinem Napf oder von einem Schlafpatz wegjagen kann. Inzwischen verjage ich manchmal auch Moritz…

Etwas ganz Besonderes hat Moritz mir auch noch gezeigt: Wie fein Plastik schmeckt. Moritz ist nämlich ein Plastik-Junkie. Er leckt alles ab, was aus Plastik ist: Diese Tragetaschen, die haufenweise bei uns in der Wohnung rumliegen; die Plastikfolie, in die gewisse Zeitungen und Zeitschriften eingepackt sind; Plastikgefässe, Klebestreifen, die Kehrichtsäcke – einfach alles.

Muskelspiele

„Versuch mal, das ist ganz was Feines“, sagte er zu mir, als ich noch ziemlich klein war. Ich leckte vorsichtig an einer dieser Tragetaschen – und fand es scheusslich. Aber Moritz forderte mich immer wieder auf, es nochmal zu versuchen. Weil ich ihn so verehre, habe ich es getan. Inzwischen bin ich auch ein wenig süchtig nach Plastik. Ich glaube, so werden die Zweibeiner nikotin- und drogenabhängig.

Gut, manchmal streiten Moritz und ich uns auch. Dann jagen wir uns gegenseitig durch die ganze Wohnung. Aber wir vertragen uns immer wieder. Und zur Versöhnung nach einem Streit lecken wir uns gegenseitig ab. Das ist ja überhaupt das schönste: Die liebevolle Versöhnung nach dem Streit.

Ich bin nämlich ein wenig in Moritz verliebt. Er ist so ein schöner Kater! Wenn er durch die Wohnung tigert und seine Muskeln spielen lässt, schmelze ich dahin. Und ja, ich gebe es zu: Manchmal möchte ich mit Moritz Sex haben und kleine Kätzchen von ihm bekommen. Ach, die wären bestimmt gaaaaanz süss. Aber leider sind wir beide kastriert.