Wer nimmt schon gerne Medikamente? Das Zeug schmeckt oft scheusslich oder aber die Tabletten bleiben einem im Hals stecken. Immerhin sieht der Mensch (meistens) ein, dass die Einnahme der Medis sinnvoll ist.

Bei Tieren ist das schwieriger, denn sie verstehen partout nicht, weshalb sie das schreckliche Zeug schlucken sollten. Wie oft hatte ich schon blutig gekratzte Hände und Arme, nur weil ich versuchte, einer meiner Katzen Pillen oder Wurmpaste ins Maul zu stopfen! In der Tierarztpraxis ist das ja immer ganz einfach. Aber zu Hause? Natürlich gibt es diesen gut gemeinten Ratschlag: Tabletten unters Futter mischen. Doch meine Katzen waren stets schlau: Sie haben das Futter einfach stehen lassen.

Ich habe kein Problem, die Katze zu stechen

Und nun also Moritz. Seine Diabetes lässt sich nicht mit blutzuckersenkenden Tabletten behandeln, sondern nur mit regelmässigen Insulinspritzen. Spritzen?! Ich soll meine Katze stechen? Die meisten Freunde und Bekannten, denen ich davon erzählte, reagierten entsetzt: "Das könnte ich nie", sagten sie. Ich selbst habe glücklicherweise kein Problem damit. Vielleicht weil mir von Anfang an klar war, dass es gar nicht anders gehen würde: Das Insulin ist für Moritz lebenswichtig.

Die Handhabung des Insulin-Pen ist einfach: Zuerst leicht hin und her bewegen (nicht schütteln!), bis das Insulin eine homogene, milchige Flüssigkeit ist, dann die erforderliche Dosierung einstellen. Nachher eine Hautfalte der Katze zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen, die Nadel leicht schräg durch die Haut stechen, auslösen und nach 5 bis 10 Sekunden sanft wieder rausziehen.

Keine Hexerei also. Fragt sich bloss, ob Moritz das auch so sieht. Meine grösste Sorge ist deshalb, dass er sich unter dem Bett, zuoberst auf dem Bücherregal oder an sonst einer völlig unzugänglichen Stelle versteckt und ich ihm die Spritze nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht geben kann.

Türen zu!

Wenn es Zeit für seine Insulin-Dosis ist, schliesse ich deshalb vorsichtshalber die Türen zum Schlafzimmer und zum Gästezimmer. Das schränkt Moritz‘ Gelegenheiten, sich zu verkriechen, schon einmal stark ein. Weiter ist es wichtig, dass ich ruhig bleibe und die Spritzen-Prozedur wenn möglich immer nach der gleichen Routine verläuft. Katzen sind Gewohnheitstiere – jedenfalls meine – und mögen Routine.  Der beste Ort, um Moritz zu „verarzten“ ist die Bar in meiner Küche.

Also dann, los geht's!

Der ideale Moment

Wenn ich am Abend nach Hause komme, sind meine Katzen immer am Verhungern – zumindest bilden sie sich das ein. Alle streichen mir in der Küche um die Beine und betteln. Doch ich setze mich zuerst an die Bar und schaue meine Post durch. Meistens springt Moritz dann zu mir hoch und legt sich auf Zeitungen, Zeitschriften, Prospekte und Briefe. Das ist der ideale Moment für die Spritze. Vorher und nachher gibt es natürlich ganz viele Streicheleinheiten und anschliessend für alle zu fressen.

Am Morgen ist es etwas schwieriger. Ich bin dann oft in Eile und muss mich dazu zwingen, ruhig zu bleiben. Ob du nun fünf oder zehn Minuten später auf der Redaktion bist, spielt überhaupt keine Rolle, beschwöre ich mich jeweils selbst. Am einfachsten ist es, wenn Moritz sich dann zum Schlafen auf den Kühlschrank verzieht. Der ist allerdings ziemlich hoch, was bedeutet, dass ich schon am frühen Morgen zu Kletterpartien gezwungen bin.

Insulin-Pen zwischen den Zähnen

Das läuft ungefähr so ab: Ich hole die Leiter vom Balkon, stelle sie beim Kühlschrank auf und bereite die Spritze vor. Dann steige ich mit dem Insulin-Pen zwischen den Zähnen die Leiter hoch. Dazu muss man wissen, dass ich überhaupt nicht schwindelfrei bin und zudem eine Riesenangst habe, auf Leitern zu klettern. Aber seit Moritz krank ist, ist das besser geworden – schliesslich habe ich keine andere Wahl. Ich muss bis auf die auf die oberste Stufe steigen, um Moritz zu erreichen. Dort folgt dann die Streicheln–Spritzen–Streicheln-Prozedur. Anschliessend runtersteigen, Futter bereit machen und mit der Futterschale wieder die Leiter hoch. Denn Moritz wünscht, dass ihm sein Fressen nach der morgendlichen Spritze dort oben serviert wird.

Mit diesen Tricks gelingt es mir, meinem Kater rechtzeitig sein Medikament zu verabreichen. Fast immer jedenfalls.

Haben Sie auch eine Katze mit Diabetes, die Insulin gespritzt bekommt? Was sind Ihre Erfahrungen?