Anstatt einen kühlen Kopf zu bewahren und zu einer Beruhigung der Lage beizutragen, sorgt Müller mit seinen Aussagen für zusätzliche Verunsicherung. Zudem macht er sich verdächtig, die aktuelle Situation für politische Zwecke ausnutzen zu wollen.

Das Schweizer Arbeitsrecht ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr liberal. Angestellte können ohne triftigen Grund auf die Strasse gestellt werden. Das klingt nach willkürlicher Hire-and-fire-Mentalität. In der Realität ist die Schweiz damit aber sehr gut gefahren. Die liberale Gesetzgebung sorgt dafür, dass Unternehmen schnell Personal einstellen, wenn es gut läuft. Denn sie müssen keine Angst haben, dass sie die neuen Mitarbeiter nicht mehr loswerden, wenn die Konjunktur abkühlt. Dieses liberale Arbeitsmarktgesetz setzt Vertrauen in die Schweizer Unternehmer voraus. Diese haben in der Vergangenheit grossmehrheitlich bewiesen, dass sie dieses Vertrauen verdienen.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es in den nächsten Wochen und Monaten für manch ein exportabhängiges Unternehmen eng wird – je nachdem, wo sich der Eurokurs einpendelt. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass tatsächlich Arbeitsverträge angepasst werden müssen, um Schlimmeres zu verhindern. Jetzt aber voreilig in Panik zu verfallen, hilft niemandem. Die Ruhe zu bewahren und bei Bedarf den sachlichen Dialog mit den Sozialpartnern zu suchen, ist die bessere Idee.