Kleinsparer

Negativzinsen sind das kleinere Übel

Keine Negativzinsen für Kleinsparer (Symbolbild)

Keine Negativzinsen für Kleinsparer (Symbolbild)

Ein Freund von Ihnen steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Sie helfen ihm aus und leihen ihm ein paar tausend Franken. Und am Ende bezahlen Sie ihm auch noch Zinsen dafür, dass Sie ihm das Geld ausgeliehen haben.

So verrückt das auch klingen mag: Genau das müssen Geschäftsbanken in Zukunft tun, wenn sie auf ihrem Konto bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu viel Geld bunkern.

Die SNB ist nicht die erste Notenbank, die Negativzinsen einführt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das bereits im Juni getan. Allerdings verfolgen die beiden Institute mit ihrer Massnahme nicht denselben Zweck: Die EZB erhofft sich von den Negativzinsen, dass die Geschäftsbanken den Unternehmen günstige Kredite verleihen. Das soll die Konjunktur in den kriselnden Eurostaaten ankurbeln. Die SNB dagegen hat ganz anderes im Sinn: Sie will mit den Negativzinsen den Schweizer Franken für Anleger weniger attraktiv machen – und damit den Euro-Mindestkurs von Fr. 1.20 sicherstellen.

Wenn in den letzten Tagen kam der Wechselkurs gefährlich nahe an diese magische Grenze heran. Der Grund ist die zunehmende Verunsicherung an den internationalen Finanzmärkten – Stichwort Rubel-Krise. Diese hat dazu geführt, dass die Investoren vermehrt nach einem sicheren Hafen suchen für ihr Geld. Selbst wenn sie dafür auf Zinszahlungen verzichten müssen.

Die Schweiz wird also praktisch für ihre Stabilität bestraft. Für Kleinsparer mag das ärgerlich sein, weil sie auf ihrem Sparkonto fast keine Zinsen erhalten. Letztlich ist das aber das kleinere Übel. Eine weitere Aufwertung des Frankens wäre viel schlimmer. Damit würde es für Schweizer Exportfirmen noch schwieriger, ihre Produkte im Ausland zu konkurrenzfähigen Preisen anzubieten. Das würde Arbeitsplätze gefährden – und die Schweizer hätten bald gar kein Geld mehr, das sie auf ihre Sparkonten einbezahlen können.

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