Analyse

Mit Hollenstein kommt ein neuer Artist in den Zirkus des Nationalteams

Felix Hollenstein ersetzt vorerst die freigewordene Stelle von Glen Hanlon.

Felix Hollenstein ersetzt vorerst die freigewordene Stelle von Glen Hanlon.

Den Fehler in der Personalpolitik hat man korrigiert: Glen Hanlon ist entlassen. Warum die NLA-Klubs mit Hanlon einen schwachen Nationaltrainer wollten, und was nun auf Felix Hollenstein zukommen wird.

Endlich! Der Mann, der gar nie hätte angestellt werden dürfen, ist entlassen. Nationaltrainer Glen Hanlon (58) wird ab sofort und auf unbestimmte Zeit durch Felix Hollenstein ersetzt. So richtig und wichtig dieser Wechsel an der nationalen Bande auch sein mag – der Zeitpunkt erstaunt auf den ersten Blick. Aber auf den zweiten Blick zeigt sich, dass diese abenteuerliche Personalpolitik typisch ist für die Führung unseres Hockey-Dachverbandes «Swiss Ice Hockey».

Um es ein wenig polemisch zu erklären: Was dürfen wir von einem Zirkus erwarten, wenn nur Clowns in der Chefetage sitzen? Richtig: Eine grandiose Lachnummer. Und genau das ist die Führung von Swiss Ice Hockey. Der neue Nationaltrainer bestätigt, dass er noch gar keinen Vertrag unterschrieben hat. Er wisse weder Vertragsdauer noch Salär. Er habe erst am Freitagmorgen die Offerte erhalten, Nationaltrainer zu werden, und habe zugesagt. Alles andere werde nun in den nächsten Tagen ausgehandelt. Ja, so wird bei unserer Verbandsführung gefuhrwerkt.

Das alles passt gut zu Verbands-Präsident Marc Furrer und seinem CEO Florian Kohler. Kurz ein Blick zurück: Im Frühjahr 2014 geht das Gerücht um, Glen Hanlon werde neuer Nationaltrainer. Niemand kann es glauben. Es ist, wie wenn das Gerücht gestreut würde, die SP wolle Jimmy Hofer, den Berner Kult-Rocker, als Bundesratskandidaten lancieren. Aber das Gerücht wird Wahrheit. Der freundliche Kanadier Hanlon, der Mann, der noch nie irgendetwas gewonnen hat, wird Nachfolger von Sean Simpson. Die ganze Hockeywelt lacht seither über uns. Zu verantworten hat diese absurde Wahl der inzwischen vom Verbands- zum Ligadirektor degradierte Ueli Schwarz. Aber Achtung: Wir tun dem tüchtigen, braven Ueli unrecht, wenn wir ihm die ganze Schuld in die Schuhe schieben.

Die Klubs wollen einen schwachen Nationaltrainer

Noch vor ein paar Wochen hat Peter Zahner, der grosse ZSC-Zampano und Schatten-Präsident unseres Verbandes, die Wahl von Glen Hanlon vehement verteidigt. «Er war zu diesem Zeitpunkt die bestmögliche Wahl.» Was natürlich ein Witz ist. Es gab viele sehr viel bessere Kandidaten. Kandidaten mit Charisma und starker Persönlichkeit. Aber Peter Zahner verantwortet nicht nur als Mitglied der Verbands-Sportkommission diese Wahl. Zusammen mit SCB-Manager Marc Lüthi verantwortet er zu einem schönen Teil die ganze Besetzung der Verbandsführung. Auf der Achse Bern–Zürich wird die nationale Hockeypolitik gemacht. Der Verbands-Vorsitzende Marc Furrer ist Marc Lüthis Freund, Verbands-Direktor Florian Kohler war Lüthis und Zahners Kandidat.

Wie kommt das? Die Klubs, angeführt von Peter Zahner und Marc Lüthi, wollen eine schwache Verbandsführung und einen schwachen Nationaltrainer. Dann können die Klubs frei schalten und walten. Selbst Gaudenz Domenig, der kluge Vorsitzende des HC Davos, hat kürzlich süffisant gesagt: «Ja, es ist natürlich leichter, mit Herrn Hanlon einen Kompromiss zu finden als vorher mit Herrn Simpson.» Unter Glen Hanlon haben die Klubs bestimmt, wer wann für die Nationalmannschaft aufgeboten werden darf. Der freundliche Opportunist hat alles mit sich machen lassen. Mit mehr Glück als Verstand hat Hanlon bei der letzten WM die Viertelfinals erreicht und den Abstieg vermieden. Wir hatten 2015 in Prag eine der besten Nationalmannschaften der Neuzeit. Gut gecoacht und gut gemanagt, hätten wir um eine Medaille spielen können.

Felix Hollenstein hat Charisma und Kompetenz

Inzwischen ist die Position von Glen Hanlon unhaltbar geworden. Die Nationalspieler haben ihn nur noch als Clown wahrgenommen. Wird sich unter Felix Hollenstein etwas ändern? Dass er, anders als sein Vorgänger, das Charisma, die Akzeptanz und die Fachkompetenz hat, um eine Nationalmannschaft zu führen, steht ausser Frage. Und er ist das, was Peter Zahner & Co. fürchten wie der Teufel das geweihte Wasser: eine starke Persönlichkeit. Aber auch Hollenstein wird keine Rückendeckung durch die Verbandsführung haben. Muss auch er nach der Pfeife der Klubs tanzen? Es wäre sehr schade, wenn er sich selbst nach ein paar Monaten verleugnen würde und zum Opportunisten werden sollte. Wenn ein grosser Artist von einem Zirkus engagiert wird, den Clowns führen, dann hat er nichts zu lachen. Viel Glück, Felix Hollenstein.

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