Die Show ist perfekt inszeniert. Zuerst reihen sich Christophe Darbellay (CVP), Philipp Müller (FDP) und Toni Brunner (SVP) auf, um die Medien über ihren vermeintlichen Schulterschluss zu informieren.

Feierlich setzen die drei ziemlich besten Freunde ihre Unterschrift unter ein Papier, das noch am selben Tag von mehreren Politikern aus CVP und FDP hinter vorgehaltener Hand als «unverbindliches Programm der Parteipräsidenten» abgekanzelt wird.

Ein paar Stunden später setzt SP-Chef Christian Levrat in heller Aufregung zum Rundumschlag an und geisselt das Papierchen als «Kapitulation von CVP und FDP vor der SVP». Es gebe nun nur noch die SP und die Rechten. So viel Rauch an einem Tag. Seien wir nachsichtig. Es ist Wahljahr. Die Bühnenpräsenz zählt. Und die Unterhaltung war nicht schlecht.

Doch ausser Spesen ist da nichts gewesen. In Tat und Wahrheit handelt es sich um ein vages Bündnis in Fragen, bei denen man ohnehin ähnliche Werte vertritt. Weniger Steuern, Ausgabendisziplin und liberale Rahmenbedingungen sind bürgerliche Kernanliegen. Neu ist höchstens, dass man dafür extra eine Pressekonferenz einberuft, um die frohe Botschaft zu verkünden. Viel wichtiger aber ist: Zentrale politische Themen der Gegenwart bleiben in dem Papier ausgeklammert. So findet etwa die Zukunft der Schweiz in Europa – DIE entscheidende Standortfrage schlechthin – mit keinem Wort Erwähnung. Und der Konsens in der Energiestrategie erschöpft sich darin, die Vorlage bis 2017 dem Volk vorzulegen. Was für ein Coup!

Nun, ein bisschen baff darf man trotzdem sein. Warum spielen CVP und FDP die von Blocher initiierte Show so brav mit, wo doch die SVP die politische Mitte seit Jahren mit radikalen Initiativen in Bedrängnis bringt? Vermutlich ist die Orientierungslosigkeit am Ende doch grösser, als man es nach Jahren des Niedergangs ohnehin befürchten musste.