Fehler, sehr teure sogar, machten auch andere Kassenchefs. Groupe-Mutuel-Kassenkönigs Pierre-Marcel Revaz kann dies nicht vorgeworfen werden. Aber sein grösster Fehler war, dass er so ziemlich alle Regeln der guten Geschäftsführung verletzte. Er war nicht nur Präsident, sondern hat den Konzern mit 1,2 Millionen Grundversicherten mehr oder weniger auch operativ geleitet. Die einzigen, die mitredeten, waren wenige Weggefährten. Und die tickten wie Revaz. Sonst hätten sie am Hauptsitz von Martigny kaum so lange überlebt.

Transparenz war Revaz ein Fremdwort: Nicht nur bei der Offenlegung der Saläre. Er weigerte sich sogar, anzugeben, wer Mitglied der Geschäftsleitung war. Darin sitzt unter anderem seine Tochter. Sein Sohn ist Marketingchef. Einen Zusatz zu dessen Arbeitsvertrag unterschrieb Revaz 2010 gleich selbst. Er führte den Walliser Konzern wie einen Erbhof. Und kassierte dabei Millionen von Franken.

Jetzt steht Pierre-Marcel Revaz vor einem Scherbenhaufen. Die Finma zwang ihn schmachvoll zum Rücktritt. Die Aufseher wollen gar Strafanzeigen einreichen. Offen bleibt, wen es trifft. Es können nur frühere Organmitglieder sein.

Erstaunlich ist nur eines: Revaz Verletzungen der Corporate Governance waren seit Jahren bekannt. Marc Bransons Crew hat den Spuk jetzt beendet. Sie greift durch, bei der Berner KPT, bei der Walliser Groupe Mutuel. Für Revaz gilt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.