Bischofssynode

Was nun, Franziskus?

Mit einer Messe von Papst Franziskus (Bildmitte) ging gestern die Bischofssynode in Rom zu Ende.

Mit einer Messe von Papst Franziskus (Bildmitte) ging gestern die Bischofssynode in Rom zu Ende.

Mit einer Messe von Papst Franziskus ging am Sonntag die Bischofssynode in Rom zu Ende. Zu den dringlichen Themen wie Familie und Ehe gab es nicht viel mehr als schöne Worte.

Die grosse Frage, die sich nach der krachenden Niederlage der Reformer an der Synode stellt, ist die: Ist das auch eine Niederlage des Papstes – und wie geht es nun weiter? Für die Konservativen ist die Sache mit den wieder verheirateten Geschiedenen und den Homosexuellen nun ein für allemal abgehakt. Für die Liberalen wiederum sind die Türen keineswegs zugeschlagen; für sie ist die Synode nur eine Etappe auf einem langen, letztlich Erfolg versprechenden Weg.

Die Antwort auf die Eingangsfrage kann nur Franziskus selbst geben. Die Synode ist kein Konzil; ihre Vorschläge haben nur beratenden Charakter. Der Papst kann völlig frei neue Regeln in Kraft setzen. Franziskus’ Ziel kennt man: eine barmherzige, heilende und unterstützende Kirche, deren «erste Pflicht nicht darin besteht, Verurteilungen auszusprechen». Franziskus ist überzeugt, dass es die Kirche nicht mit dem Wiederholen der immer gleichen Regeln bewenden lassen könne – zu weit habe sich die Lehre inzwischen von der Realität vieler Familien entfernt.

Dabei geht es dem Papst gar nicht um die Veränderung der katholischen Lehre. Zum Auftakt der Synode hatte er klargemacht, dass eine katholische Ehe zwischen Mann und Frau geschlossen werde und unauflöslich sei. Aber in der Praxis, also in der Seelsorge, müsse immer auch «die Möglichkeit des Scheiterns» einbezogen werden – und gescheiterten Eheleuten und ihren Kindern müsse die Kirche helfen, statt sie zu bestrafen. Das sei nicht zuletzt eine Frage des Tons.

An der Synode war viel von «Begleitung» und «Unterstützung» der Familien die Rede – unabhängig davon, ob sie dem Ideal entsprechen oder nicht. Insofern hat der Papst zumindest ein Teilziel erreicht. Aber viele Katholiken in den westlichen Ländern mit ihren hohen Scheidungsraten erwarten von Rom mehr als schöne Worte. Sie wollen Taten sehen. Und genau hier liegt das Problem: Rückenwind für konkrete Reformen hat der Papst in den vergangenen drei Wochen keinen erhalten.

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