Der sinkende Ölpreis hat viele positive Erwartungen auf Erholung geweckt, mindestens ein Teil davon wird wohl auch erfüllt werden.

In der südlichen Peripherie vor allem aber sind die Warnzeichen weiterhin an der Wand: hohe (Jugend-)Arbeitslosigkeit und fehlende wirtschaftliche Dynamik.

EZB-Chef Mario Draghi hat gehandelt, weil er – paradoxerweise – beides berücksichtigt. Der tiefe Ölpreis drückte das Preisniveau im Dezember 2014 in der EU ins Minus. Sinkende Preise dämpfen die Investitionstätigkeit, im schlimmsten Fall bis zur Lähmung: der Depression. Und für die südlichen Länder glaubte er etwas tun zu müssen, weil er 2012 schon versprochen hatte: «Wir werden alles unternehmen, was nötig ist, um den Euroraum zu retten.»

Ist die Motivlage schon zwiespältig, ist diffus, ob das Programm wirklich zu Investitionen in der Realwirtschaft führt. Zu befürchten ist, dass das viele Geld gar nicht bei den Unternehmen ankommt, sondern die Spekulation in der Finanzbranche anheizt.

Die niedrigen Zinsen machten Kredite billig. Hemmend sind eher die trüben Wirtschaftsaussichten. Auch hier gibt es zwei Sichtweisen: Die eine sagt, das Problem liege bei den reformunwilligen Krisen-Staaten. Nur: Regierungen, die den harten Sparkurs durchsetzen möchten, geraten in Gefahr, abgewählt zu werden.

Und die andere sagt: Investiert wird, wenn Aussicht auf Gewinn lockt. Gewinn gibts nur, wenn Nachfrage da ist. Und woher soll die kommen, wenn überall die Politik auf der Sparbremse steht?

Kritiker monieren: Draghi gibt den Regierungen der Krisenländer noch mehr Zeit, aber die haben bisher schon nichts gemacht. Im Süden wird man jubeln. Aber sicher ist nur: Die Krise des Euro-Raums wird dies nicht lösen.

christoph.bopp@azmedien.ch