Assura

Versichert bei Geiz ist geil

Assura-Hauptsitz in Pully: Ihr Verhalten schadet nicht nur den Patienten, sondern der ganzen Branche. (Archiv)

Assura-Hauptsitz in Pully: Ihr Verhalten schadet nicht nur den Patienten, sondern der ganzen Branche. (Archiv)

Krankenversicherer Assura erstattet Arztrechnungen erst mit Verspätung zurück und vertreibt so gezielt kranke Kunden. Die Versicherung befreit sich auf diese Weise von einer finanziellen Last. Ein Verhalten, das der ganzen Branche schadet.

Patienten mit schwerer Krankheit und bescheidenem Budget trifft dieses Vorgehen gleich doppelt: Sie können die hohen Rechnungen für Medikamente und Arztbesuche nicht bezahlen und verschulden sich womöglich. In der Konsequenz wechseln sie die Krankenkasse – womit die Assura ihr Ziel erreicht hat. Diese Vergraulungstaktik ist verwerflich. 

Trotzdem: Dass sich die Assura im Zweifel für den günstigeren Weg entscheidet, darf eigentlich nicht verwundern. Sie funktioniert nach dem Prinzip Geiz ist geil. Der Kunde bezahlt tiefste Prämien, darf dann aber im Gegenzug auch nicht den besten Service erwarten.

Allerdings schadet das Verhalten nicht nur den Patienten, sondern der ganzen Branche. Der bereits angeschlagene Ruf der Krankenkassen leidet zusätzlich. Und es werden neue Regulierungslüste geweckt, welche die Versicherer scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Tatsächlich macht eine «Lex Assura» nur Sinn, wenn die rechtlichen Möglichkeiten bei Fehlverhalten ausgeschöpft sind. Abgesehen von schwarzen Schafen funktioniert das System nicht schlecht: Das Gros der Versicherer verhält sich patientenfreundlich.

Bloss: Wenn einer nachweislich gegen die Regeln verstösst, sollte er endlich konsequent gebüsst werden. Der Versicherte muss auch in Zukunft die Gewissheit haben, dass er im Krankheitsfall gut geschützt ist.

anna.wanner@azmedien.ch

Meistgesehen

Artboard 1