Kommentar

Und auch heute wird es neue Opfer geben

Nach den Attacken am Kölner Bahnhof an Silvester hat die Polizei mehrere Personen verhaftet.

Nach den Attacken am Kölner Bahnhof an Silvester hat die Polizei mehrere Personen verhaftet.

Seit den Ereignissen von Köln steht die sexuelle Gewalt plötzlich im Fokus der Öffentlichkeit.

Die Diskussion in Deutschland wird engagiert bis gehässig geführt, vieles dreht sich um Flüchtlinge und die deutsche Willkommenskultur. Rechtspopulisten in anderen Ländern greifen die Debatte gerne auf, in Holland hat Geert Wilders zum Kampf gegen den «sexuellen Dschihad» aufgerufen.

Vielversprechender nimmt sich eine andere, ganz konkrete Auswirkung der deutschen Debatte aus: Opfer von Sexualdelikten können sich offenbar vermehrt dazu überwinden, der Polizei zu erzählen, was sie durchgemacht haben. Sie brechen das Schweigen und erstatten Anzeige.

Nur deshalb wird jetzt publik, dass auch die Silvesternacht am Zürcher Seebecken für manche Frauen der blanke Horror war: Primitive Männer belästigten sie und raubten sie aus.

Ob all diese Anzeigen zu Verurteilungen führen werden, ist mehr als fraglich. Die Ermittlungen bei Sexualdelikten sind schwierig, die Beweislage oft dürftig. Doch die Gesetze, um Sexualdelikte zu ahnden, bestehen bereits.

Nur setzen sich diese nicht von alleine um. Die Polizei ist auf Hilfe angewiesen. Zum Beispiel von mutigen Passanten, die eingreifen oder die Handy-Kamera zücken.

Köln lässt uns vor allem eines feststellen: Das neue Jahr ist gestartet, wie das letzte aufgehört hat – mit viel sexueller Gewalt.

Sie passiert jeden Tag, in jedem Land und meist hinter verschlossenen Türen. Auch heute! Das sollten wir nicht vergessen.

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