Bis in fünf Jahren müssen 250 Betriebe in Verwaltungsrat und Geschäftsleitung über einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent verfügen. Dass es sich dabei nicht um einen Brutalo-Staatseingriff in sozialistischer Manier handelt, zeigt das Kleingedruckte. Unternehmen, die das Ziel verfehlen, haben grundsätzlich nichts zu befürchten. Die Justizministerin geht aber zu Recht davon aus, dass der öffentliche Druck zu einer Verbesserung führen wird. Firmen, die nichts tun, machen je länger, je mehr eine schlechte Falle.

Aus liberaler Sicht sind Quoten heikel. Dass es in hiesigen Führungsetagen an weiblichem Personal mangelt, ist nicht ausschliesslich dem Machismus der Männer geschuldet. In vielen Branchen – etwa in der Maschinenindustrie, in der Informatik oder bei Versicherungen und Banken – gibt es schlicht zu wenig Frauen, die als Topmanagerinnen infrage kämen. Ein Teil des Frauenmankos ist fehlendem Interesse und wohl auch der schlechten Vereinbarkeit von Beruf und Familie geschuldet. Eine Quote löst diese Probleme nicht wirklich. Dennoch ist es richtig, dass der Bundesrat nun sanften Druck ausübt. Primär geht es um einen Gesinnungswandel. Gemischte Teams sind einfach besser. Frauenförderung muss zur Chefsache werden. Das ist das Zeichen, das der Bundesrat aussendet.

Für Sommaruga muss die Befriedigung nach schwierigen Jahren an der Spitze des Justizdepartements gross sein. Als SP-Frau kann sie bei der Umsetzung von Ausschaffungs- oder Masseneinwanderungsinitiative keinen Blumentopf gewinnen. Der Erfolg kommt kurz vor der Krönung ihrer politischen Karriere. Nächsten Mittwoch wird die Bernerin zur Bundespräsidentin 2015 gewählt.