Es wäre einfacher gewesen, zu handeln: Die Armee an die Grenze zu schicken, das Grenzwachtkorps aufzustocken, neue Stellen beim Bundesamt für Polizei (Fedpol) zu schaffen, den Geheimdienst personell zu verstärken. Derlei Ankündigungen hätten die eine oder andere verunsicherte Seele nach den schrecklichen Attentaten von Paris gewiss beruhigt. Das direkt betroffene Frankreich sowie die an vorderster Front bedrohten Briten haben genau so reagiert: Mit verbaler Kraftmeierei und hektischer Symbolik, die den Menschen vorgaukeln, Vater Staat habe die Lage im Griff. Die Reaktion ist verständlich. Aber ist sie auch klug? Weder in Frankreich noch in Grossbritannien wird es je hundertprozentige Sicherheit geben.

Diese Binsenwahrheit soll jedoch kein Alibi dafür sein, Aufrüstung generell abzulehnen. Gut möglich, dass die Analyse des Bundesrats zeigt, wo und wie Geheimdienst und Grenzwachtkorps auch bei uns aufgestockt werden müssen. Gut möglich, dass wir mehr in die innere Sicherheit investieren müssen. Doch anstatt überstürzter Handlungen sind zuerst seriöse Abklärungen, eine plausible Kosten-Nutzen-Rechnung sowie Angaben darüber gefragt, welche Bereiche für diese Mehrausgaben bluten müssen.

Die Gelassenheit, die der Bundesrat demonstriert, ist wohltuend. Und sie ist mutig. Wehe, es passiert bald etwas Schreckliches – was wir alle nicht hoffen. Wehe. Nüchtern betrachtet hat sich die Lage jedoch nicht verändert: Sie war und bleibt angespannt.