Flüchtlinge

Mehr Menschlichkeit, aber bitte keine Panik

In Österreich sind bis zu 50 Menschen tot in einem Lastwagen aufgefunden worden. Flüchtlinge auf dem Weg nach Westeuropa – gestorben in Westeuropa. Was für ein schrecklicher und skandalöser Tod!

Zu hoffen ist, dass diese jüngste Schreckensnachricht in Westeuropa mehr Empathie für das Schicksal der Flüchtlinge im Allgemeinen hervorruft. Die Gefahr ist allerdings gross, dass das genaue Gegenteil eintritt: Am Ende verfestigt gerade eine Nachricht über 50 tote Flüchtlinge bei vielen den Eindruck, wir würden von den Migranten aus dem Süden in unabschätzbaren Massen überschwemmt.

Am Ende ist die Nachricht über 50 tote Flüchtlinge für viele bloss die gefühlte fünfzigste Meldung der letzten paar Stunden über einen angeblich nicht mehr versiegenden Flüchtlingsstrom.

Aller Tragik zum Trotz: Wir möchten die Einwanderung in die Schweiz nüchtern betrachten. Das Bundesamt für Statistik hat die entsprechenden Daten am Donnerstag in Rohform publiziert, wir haben sie aufbereitet. Nimmt man die Zahlen genauer unter die Lupe, so lässt sich unter anderem feststellen: In der Schweiz lebten Ende 2014 mehr Kanadier als Syrer und mehr Brasilianer als Eritreer.

Und doch hat sich noch niemand ernstlich über die Anwesenheit der Kanadier oder Brasilianer enerviert. Das Ganze soll nicht bedeuten, dass Migration und Flucht keine drängenden Themen sind – einen solchen Schluss verbietet allein schon der Erstickungstod jener Menschen im Süden von Wien. Der Vergleich kann einem indes vor Augen führen, dass die Schweiz mit Zuwanderung jeder Art gut zu Wege kommen kann – wenn sie sich nicht von Panik und Ressentiments leiten lässt.

Österreich: Dutzende tote Flüchtlinge in LKW gefunden

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