Ein Spiel mit (Fremd-)Wörtern: Das Kind, lateinisch «infans» = «was (noch) nicht spricht». Die Vorstellung: Das Kind, ein noch unfertiger Erwachsener. Die ängstliche Vorstellung: Was Hänschen nicht gelernt hat, schnallt Hans auch nicht mehr. – Moderne Zeiten: Technik, Effizienz, Optimierbarkeit. Oder etwas konkreter: Wir wissen mehr, also können wir mehr – und schliesslich wollen wir mehr.

Das Kind in der Moderne. Die Wissenschaft vom Kind hat vieles entdeckt. Unter anderem hat sie auch dem, was man früher «unruhig» nannte, einen Namen gegeben: ADHS. Sie glaubt auch, diese Buchstaben in den Gehirnen nachweisen zu können. Sie empfiehlt auch ein chemisches Wundermittel: Ritalin.

Das ist sicher nicht einfach alles schlecht. Aber es setzt eine Spirale in Gang (die es übrigens nicht nur beim Kind gibt). «Unruhige» Kinder sind schwierige Kinder. Man muss ihnen helfen. Auch darum, weil sie die anderen Kinder massiv stören. (Wegen Peterli kommt Fritzli mal nicht ins Gymi.) Da gibt es massiven Optimierungsdruck auf die Leute in den Bildungsinstitutionen und bei den Eltern. Wir können etwas tun, also tun wir es. Und geben dem Kind Ritalin. Es ist zu seinem und zu unserem aller Besten.

Vorbei die Zeiten, als geduldige Lehrerinnen dem zappeligen Peterli die Zeit gaben, daraus herauszuwachsen. «Ja, Peterli ist schwierig. Aber bis er in der 5. Klasse ist, hat er den Rank gefunden.» Wir sollten es wieder gelassener angehen: Kinder müssen nicht ihr ganzes Kinderleben «perfekt» sein. Wenn sie erwachsen sind, ist es noch früh genug.