Mit einer Botschaft der Unversöhnlichkeit hat Saudi-Arabien das neue Jahr begonnen. Niemand hätte sich wahrscheinlich gross aufgeregt, wenn Riads Henker am Samstag 45 Kaida-Terroristen die Köpfe abgeschlagen hätten. Aber unter den Hingerichteten ist mit Nimr al-Nimr der prominenteste saudische Schiitenführer, ein Geistlicher, der mit Worten gegen die Unterdrückung seiner Glaubensgemeinschaft kämpfte. Eine Bedrohung für das Königshaus war der Ayatollah nicht. Er wurde geköpft, weil Riad noch immer nicht zur Verständigung mit dem Iran, der Schutzmacht der Schiiten, bereit ist.

Noch auf der Syrien-Konferenz in Wien hatte Riad die Bereitschaft zum Ausgleich mit dem Iran angedeutet. Gespräche zwischen den syrischen Konfliktparteien sollten in wenigen Wochen beginnen. Nun signalisieren die Saudis den von ihnen unterstützten Gruppierungen, dass sie weiterhin auf eine militärische Lösung setzen. Auch der Waffenstillstand im Jemen wurde von Riad zu Jahresbeginn aufgekündigt. Der Krieg soll weitergehen, weil eine diplomatische Lösung als Schwächeln gegenüber dem Iran interpretiert werden könnte.

Kann es sich der Westen leisten, von einem als arrogant und skrupellos beschriebenen saudischen Jüngling vorgeführt zu werden? Viel zu lange haben wir ignoriert, dass Saudi-Arabien neben dem Öl auch einen rückwärtsgewandten Islam exportiert und damit Terrororganisationen wie al-Kaida und den «Islamischen Staat» gefördert hat. Eine klare Linie im Anti-Terror-Kampf der Saudis ist noch immer nicht erkennbar. Aufgabe des Westens wäre es, die Saudis «auf Linie» zu bringen. Gelingt dies nicht mit Worten, müssen Taten folgen. Auch im Irak und zuletzt im Iran waren es Sanktionen, die die Machthaber letztendlich zum Umdenken bewogen. Warum sollten für ein Land wie Saudi-Arabien, das Extremismus noch immer die Stange hält, andere Regeln gelten.

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