Seit Jahren sinken die Hypothekarzinsen in der Schweiz von Tiefstand zu Tiefstand. Die Schweizer kamen auf den Geschmack, bauten Häuser, kauften Eigentumswohnungen. Die Bauwirtschaft brummte. Mit dem so gesparten Geld konnten Schweizer Eigenheimbesitzer renovieren, neue Autos kaufen oder in die Ferien fahren. 

Dabei wurden die Mieter, immerhin die Mehrheit im Land, kaum thematisiert. Denn gewiss ist: Sie haben in viel geringerem Mass von den tiefen Zinsen profitieren können und sie hatten wegen der hohen Nachfrage auch Mühe, neue Wohnungen zu finden.

Das ist eines der unschönen Resultate der Tiefzinspolitik der Nationalbank der letzten Jahre. Man muss nicht den französischen Ökonomen Thomas Piketty gelesen haben, um zu merken, dass die Kapitalgeber in dieser Zeit für ihren Einsatz und ihr Risiko grosszügig belohnt wurden.

Peinlich nur ist, dass die Mietervertreter in der Schweiz nun viel zu spät auf den Zug aufsteigen. Es wirkt für viele wie ein Hohn, dass der Mieterverband erst jetzt auf die Hinterbeine steht. Ausgerechnet jetzt, wo sich wirklich eine klare Senkung abzeichnet. Viel zu sehr war man wohl mit der Frage der Führung beschäftigt oder mit der Frage, ob jetzt die Ausländer schuld an teuren Wohnungen sind oder nicht.

Und um es noch peinlicher zu machen: Jetzt wird die CVP vorgeschoben, um mehrheitsfähige Vorschläge ins Parlament zu bringen. Wo ist der Ansgar Gmür der Mieter, diese Saftwurzel, die als Präsident des Hausbesitzer-Vereins nicht müde wird, das Lob des Hausbesitzers zu verkünden? Das «Volk von Mietern» hätte Besseres verdient.

andreas.schaffner@azmedien.ch