Russlands Präsident Wladimir Putin wird heute in New York für eine gemeinsame Bekämpfung des sogenannten Islamischen Staates (IS) werben. Das tat einst auch Barack Obama. Die Luftschläge seiner internationalen Koalition konnten den Vormarsch der Terrormiliz aber nicht stoppen. Die USA hatten auf die Hilfe der Regionalmacht Iran verzichtet und mit den arabischen Golfstaaten und der Türkei höchst unzuverlässige Partner an Bord genommen.

Auch Russland, das sich vom IS bedroht fühlt, blieb aussen vor. Putin will es nun besser machen. Und der Westen hat nach dem eigenen Scheitern keine andere Wahl, als den Plan des Russen zu unterstützen. Dessen Armee will zunächst das von Assad beherrschte Rest-Syrien konsolidieren und dann in die Offensive gehen. Das Tempo, mit dem Putin in Syrien neue Fakten schafft, ist hoch. Mangels besserer Alternativen sind inzwischen fast alle westlichen Staaten bereit, sogar mit Assad zu reden, den syrischen Präsidenten für eine «Übergangsphase» zu tolerieren.

Für die unzähligen Opfer von Assads Diktatur ist dies unerträglich. Würde man ihn aber zuerst absetzen und dann nach Alternativen suchen, käme es in Syrien zu einem noch schlimmeren Blutbad. Das hat auch der Westen begriffen. Deshalb lässt er Putin in Syrien erst einmal machen. Ins Leere lassen laufen darf man ihn jetzt aber nicht. Der russische Präsident verdient Unterstützung. Dessen militärisch-politische Offensive sollte der Westen flankieren, indem er Staaten wie Saudi-Arabien, der Türkei und Katar unmissverständlich signalisiert, dass in Syrien das diplomatische Endspiel begonnen hat.