Ihr gegenüber steht eine Opposition, die ihre Ratlosigkeit mit nationalen Kraftsprüchen übertönt, an eine scheinbar glorreiche Vergangenheit anknüpft, mit Ressentiments gegen einen angeblich dekadenten Westen jongliert.

Die Konstellation ist gefährlich. Im EU-Land Ungarn hat sie das Muster der «illiberalen Demokratie» hervorgebracht: eine robuste, autoritäre, populistische Herrschaft. Der Staat ist alles, der Einzelne nur ein Störfaktor. Die Opposition fällt öffentlicher Verachtung anheim und muss sich sogar vor dem Richter fürchten.

Kroatien wird, wie es aussieht, den ungarischen Weg nicht gehen; selbst wenn die nationale Rechte die Nase vorn hat, wird sie für ihre Pläne kaum passende Koalitionspartner finden. Beruhigen kann einen das nicht.

Die Listenverbindung «Most», die mit ihrem überraschenden Erfolg das Zünglein an der Waage bilden darf, repräsentiert noch keinen Ausweg aus der Polarisierung, bloss die Sehnsucht danach.

Kroatien weist, was die Gefahr eines autoritären Weges angeht, auch eine Reihe von Risikofaktoren auf. Die Erinnerung an den Krieg der Neunzigerjahre wird von Veteranenverbänden und fragwürdigen Helden verwaltet.

Jede kritische Auseinandersetzung damit ist ein Sakrileg. Die politischen Lager, das katholisch-konservative und das postkommunistische, sind sich über nichts einig, schon gar nicht über die Geschichte.

Und schliesslich ist das soziale Gefälle zwischen den Regionen enorm. Alles das verführt dazu, die fehlende soziale Einheit durch Ideologie zu kompensieren.

In kaum einem Übergangsland hat sich wirklich ein Parteiensystem nach westlichem Muster etabliert, wo beide Seiten auf die gleichen Muster des Regierens setzen. Wo aber bei jeder Wahl die liberale Demokratie selbst zur Debatte steht, liegt die Befürchtung nahe, dass sie irgendwann auch abgewählt wird.