Nach dem Ersten Weltkrieg wollte das österreichische Bundesland Vorarlberg in die Schweiz. 80 Prozent unserer Nachbarn ennet dem Rhein sprachen sich 1919 für Beitrittsverhandlungen aus. Die Romands aber fürchteten die zunehmende Übermacht der Deutschsprachigen und die Reformierten den plötzlichen Zuwachs an Katholiken. Einem Entscheid griff der Frieden von St. Germain schliesslich vor: Vorarlberg verblieb bei Österreich.

Vor 20 Jahren dann trat Österreich der EU bei. Der richtige Weg für Vorarlberg, wie der Landeshauptmann Markus Wallner sagt. Erst innerhalb der EU sei Vorarlberg zum exportstärksten Bundesland Österreichs geworden. Vorarlberg ist wie Bayern und die Schweiz ein Alpenland. Und als solches von der Exportindustrie abhängig. Erst vor Wochenfrist wies der progressive Club Helvétique auf die umliegenden Länder des Alpenbogens, wo gerade wegen (oder trotz) EU-Mitgliedschaft die Wirtschaft floriere.

Auch der Vorarlberger Landeshauptmann nennt der Schweiz die Vorteile einer EU-Mitgliedschaft: Den bilateralen Weg und damit autonomen Nachvollzug hält er für ein «kurzfristiges Modell». Gerade die Kleinen in der EU würden mit einem Beitritt der Schweiz gestärkt, für mehr Eigenständigkeit zu kämpfen.

Bald 100 Jahre nachdem Vorarlberg der Schweiz beitreten wollte, dreht ein Vorarlberger den Spiess um. Ob falsch oder frech – manchmal tut es gut, darauf hingewiesen zu werden, dass die EU kein Monster ist, wie es hierzulande gerade im Wahlkampf 2015 beschworen wird.