Der Pariser Umzug war ein starkes Moment: Die erste globale Kundgebung gegen die Plage des 21. Jahrhunderts, den islamistischen Terror im Namen oder besser gesagt auf dem Rücken von Milliarden Moslems. Er war so massiv und so breit gefächert, dass sich sogar die Frage stellt, ob alle Teilnehmer unter den gleichen Hut passten. Und das nicht nur, weil sich ein anwesender ungarischer Ministerpräsident Viktor Orban schlecht auf Meinungsäusserungsfreiheit reimt.

An der Pariser «manif» drückten die einen ihre Trauer über die ermordeten Zeichner, Juden und Polizisten aus, andere ihre grundsätzliche Unterstützung für ein Satiremagazin, das sie mehrheitlich gar nie gelesen haben. Die französische Regierung strebte ihrerseits eine nationale Einheit an, die internationale Gemeinschaft eine Demonstration der geschlossenen Entschlossenheit.

Natürlich können solche Attentate, kann eine solche Demo nicht ohne Folgen bleiben. In Paris steht eine Verschärfung der Antiterrorgesetze an und dazu eine gesellschaftspolitische Debatte über die Integration der fünf Millionen Moslems. Vor diesem Hintergrund stellt sich nun eine grosse Frage: Werden die «Charlie»-Überlebenden am kommenden Mittwoch in ihrer nächsten Ausgabe wieder Mohammed-Karikaturen bringen? Ein echtes Dilemma: Aus Prinzip müsste die Antwort eigentlich ja heissen; doch in den Banlieue-Vierteln von Paris, wo die Attentäter herstammen, würde dies nur weiteres böses Blut schaffen. Damit soll auch gesagt sein, dass beide Seiten einen Effort machen müssen – und können.