Kommentar

Eine Medizin gegen Betrüger

Krankenkassen tun gut daran, genau hinzuschauen. (Symbolbild)

Krankenkassen tun gut daran, genau hinzuschauen. (Symbolbild)

Im Gesundheitswesen werden Milliarden umgesetzt. Und wo Geld fliesst, sind immer auch jene nicht weit, welche sich unrechtmässig bereichern wollen. Speziell stossend ist es, wenn es sich dabei um Ärzte, Apotheker oder Spitalverteter handelt.

Mehr als 30 Milliarden Franken geben Krankenversicherer für Behandlungen an Ärzte und Spitäler oder für Medikamente aus. Es wäre lebensfremd anzunehmen, dass im Gesundheitswesen keiner versucht, sich aus diesem Honigtopf auf betrügerische Weise ein Zubrot zu verschaffen.

Allein schon daher sind Krankenversicherer dazu verpflichtet, ihre für die Rechnungskontrollen zuständigen Abteilungen mit Spezialisten zur Betrugsbekämpfung zu verstärken. Es darf nicht sein, dass sich einzelne auf Kosten aller Prämienzahler bereichern.

Und also stehen immer mehr Ex-Polizisten, Juristen und Privatdetektive im Solde der Kassen. Das kostet kurzfristig zwar wiederum weitere Prämiengelder, vermutlich aber wird dieses zusätzliche Personal eine abschreckende Wirkung entfalten und langfristig Prämiengelder sparen. Gerade jene werden sich einen Betrugsversuch in Zukunft wohl eher zweimal überlegen, die ein Auffliegen die berufliche Existenz kostet.

Denn das ist klar: Besonders stossend ist ein delinquentes Verhalten, wenn es sich dabei um Apotheker, Ärzte, Spitalvertreter oder andere Anbieter von Gesundheitsleistungen handelt.

Die komplexen Tarifwerke verleiten Scharlatane dazu, den breiten Graubereich auszureizen, den es im Gesundheitswesen naturgemäss gibt. Hier müssen die Krankenkassen besonders gut hinschauen. Denn ein Arzt, der betrügt, ist nicht nur moralisch unhaltbar. Ein professioneller Betrüger kostet die Kassen auch viel mehr Geld als der Patient, der eine Rechnung zweimal einschickt.

Und: Ein betrügerischer Anbieter schadet all jenen Anbietern, die sich korrekt verhalten – oder gar darauf achten, nicht nur qualitativ gut, sondern auch wirtschaftlich zu arbeiten.

roman.seiler@azmedien.ch

Meistgesehen

Artboard 1