Ja zur PID

Ein Jahr für Frauen und Familien

Nach dem Ja zur Präimplantationsdiagnostik darf nur ein eingeschränkter Kreis von Paaren seine Embryonen testen lassen. (Symbolbild)

Nach dem Ja zur Präimplantationsdiagnostik darf nur ein eingeschränkter Kreis von Paaren seine Embryonen testen lassen. (Symbolbild)

Das Schweizer Stimmvolk hat klar Ja gesagt zur Präimplantationsdiagnostik-Vorlage (PID). Trotzdem wollen die Gegner nochmals über dasselbe Thema abstimmen lassen. Der Kommentar.

Die Schweizer Mühlen mahlen langsam. Das kann manchmal ärgerlich sein. Aber es führt auch dazu, dass ausgewogene Gesetze verabschiedet werden. So geschehen bei der Zulassung der Fortpflanzungsmedizin. Die Gesetzesarbeit hat mehr als zehn Jahre gedauert.

Doch das Ergebnis ist eine massvolle und zurückhaltende Vorlage: Ein stark eingeschränkter Kreis von Paaren, die wegen Unfruchtbarkeit oder schweren Krankheiten auf natürlichem Weg keine Kinder kriegen können, dürfen ihre Embryonen testen lassen, bevor sie in die Gebärmutter übertragen werden.

Zum Vergleich: In England und in den USA sind Designerbabys längst kein Tabu mehr. Und in osteuropäischen Staaten werden über 60-jährigen Frauen fremde Embryonen eingesetzt. So können sie auch in unfruchtbarem Alter schwanger werden.

Das wollen wir in der Schweiz nicht. Und doch ist es wichtig, dass die Debatte über den medizinischen Fortschritt geführt wird, dass nicht alles, was möglich ist, auch richtig ist. Bundesrat und Parlament setzen in der Verfassung und im Gesetz sehr enge Schranken.

Exzesse sind und bleiben also verboten. Das ist gut so. Doch sollten dort Hilfsmittel angewandt und erlaubt werden, wo viel Leid besteht. Das gilt nicht nur für Paare, die an schweren Erbkrankheiten leiden und diese mit hoher Wahrscheinlichkeit an ihre Kinder weitervererben.

Es gilt auch für Paare – vor allem für Frauen –, die unfruchtbar sind, sich Hormontherapien unterziehen, zahlreiche Fehlgeburten verkraften müssen und sich möglicherweise trotzdem nie den Kinderwunsch erfüllen können.

Das Volk hat erkannt, dass Handlungsbedarf besteht, und dem Anliegen klar zugestimmt. Dass die Gegner ihre Niederlage nun nicht hinnehmen und ein zweites Mal über dasselbe Thema abstimmen wollen, ist unverständlich und grenzt an Zwängerei.

Denn es geht weiterhin nicht um die von den Gegnern befürchteten Exzesse. Diese bleiben verboten. Es geht um die Verhinderung von Leid: Für Frauen, die gerne Kinder hätten, aber keine haben können.

Meistgesehen

Artboard 1