Kommentar

Ein grobes Foul ist keine Raserfahrt

Sandro Wieser steigt gegen FCZ-Yapi brutal ein.

Sandro Wieser steigt gegen FCZ-Yapi brutal ein.

Ausgerechnet der FC Aarau, die fairste Mannschaft der Super League, lässt nach dem 0:1 gegen den FC Zürich Empathie und Mitgefühl vermissen.

Die Aargauer wünschten den Schiedsrichter ins Pfefferland. Wir hätten uns gewünscht, der FC Aarau würde primär sein Bedauern über die grobe Verletzung von Gilles Yapi kundtun. Denn es gibt selbst im Fussball Ereignisse, die wichtiger sind als ein nicht gegebener Penalty, ja sogar wichtiger als Sieg oder Niederlage. Nämlich die Gesundheit eines Spielers.

In Gilles Yapis rechtem Knie ist nach dem Foul des Aarauers Sandro Wieser so ziemlich alles kaputt, was kaputt gehen kann. Verständlich deshalb die Wut des FC Zürich über den unbestimmten Ausfall seines Schlüsselspielers. Doch die Wut geht so weit, dass FCZ-Präsident Ancillo Canepa sogar Strafanzeige gegen Wieser einreichen will.

Wieser Eventualvorsatz oder gar Absicht zu unterstellen, ist reichlich abenteuerlich. Einerseits, weil Wieser kein brutaler Spieler ist, bis vor wenigen Wochen noch als Softie galt. Andererseits, weil im Kontaktsport Fussball das Verletzungsrisiko mehr als nur latent ist.

Canepa muss sich auch aus einem anderen Grund gut überlegen, ob er mit der Strafanzeige eine Lawine lostreten will. Setzt man beispielsweise ein grobes Foul im Fussball mit einer Raserfahrt mit schwerwiegenden Konsequenzen gleich, sprich Eventualvorsatz, wird vielleicht schon bald einer seiner Spieler auf der Anklagebank Platz nehmen müssen. Denn so ist Fussball. Stets ein Stück weit unberechenbar.

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