Gemäss Amnesty International sind 2014 4300 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Im laufenden Jahr gab es mehrere Unglücke mit je Hunderten Toten. Exakte Zahlen wird es wohl nie geben. Doch was passiert mit den Leichen?

Um dies – aus forensischem Interesse – zu erforschen, hat die kanadische Zoologin Gail Anderson Schweinekadaver im Meer versenkt. Ergebnis: Die Leichen werden am Meeresgrund von Aasfressern wie Krebstieren, Seesternen und Oktopussen beseitigt. «Alle Versuchen haben gezeigt, dass Meerestiere am hinteren Körperende zu fressen anfangen. Der Kopf ist jedes Mal bis zuletzt unberührt», zitiert die Website wissenschaft.de die Forscherin. Den nächsten Schritt, nämlich menschliche Leichen auf den Meeresgrund zu befördern, wolle Anderson im Moment noch nicht tun.

Was in Kanada die Wissenschaft noch nicht tut, inszeniert die Politik im Mittelmeer als Flüchtlingsdrama. Selbst die Knochen würden vom Salzwasser demineralisiert und sich vollständig auflösen, zeigt die Forschung. Doch die toten Flüchtlinge lösen sich nicht in Nichts auf. Vielmehr werden ihre Körper Teil der Nahrungskette. So ernähren sich tief tauchende Thunfische unter anderem von Krebstieren und Kopffüsslern. Zu Letzteren gehören auch die Oktopusse. So dürften es die Opfer in einem ganz besonderen Blechsarg doch noch nach Europa schaffen: als Thunfisch – oder verdauter Flüchtling – in Dosen.

Da verschlägt’s mir mehr als nur den Appetit.