Als nüchterner Schweizer glaubt man es kaum: Da lässt ein Unbekannter eine Drohne mit einer gross-albanischen Flagge in ein Fussballstadion auf serbischem Boden fliegen – und schon schwappt ein nationalistischer Furor über die beteiligten Staaten. Unsere Vorurteile sind bestätigt: typisch Balkan, typisch Fussballfans, typisch testosterongeschwängerte Hitzköpfe.

Das real existierende Zusammenleben zwischen Serben und Albanern auf eidgenössischem Territorium zeigt zum Glück ein differenzierteres Bild. In vielen Fussballmannschaften spielen junge Männer aus den beiden Kulturkreisen weitgehend problemlos zusammen.

Natürlich gibt es dumme Sprüche und in der Hitze des sportlichen Gefechts auf dem Rasen auch Beleidigungen und Provokationen. Doch wirklich gravierend ist das nicht. Die Sozialisation in der Schweiz trägt zur Versöhnung zwischen den beiden Völkern bei.

In Serbien, in Kosovo oder in Albanien sieht das leider oft anders aus. Das gegenseitige Misstrauen sitzt tief. Hitzköpfe haben einfaches Spiel, Emotionen zu schüren und Hass zu predigen.

Das Fussballspiel in Belgrad ist ein Indiz dafür, wie wenig es braucht, um mühsam erreichte politische Fortschritte innert Minuten zunichtezumachen.

Umso wichtiger ist es nun, die Heisssporne zur Räson zu bringen. Der europäische Fussballverband Uefa hat sich Antirassismus auf die Fahne geschrieben.

Jetzt braucht es ein Zeichen, dass nationalistische Propaganda auf und neben dem Rasen in Europa nicht geduldet wird.