Am 27. Januar dieses Jahres verschickte das Egerkinger Komitee, dessen Minarett-Initiative 2009 angenommen wurde, eine Medienmitteilung. Es kündigte darin die Lancierung einer Volksinitiative an, die ein landesweites Vermummungsverbot fordert.

Der entsprechende Text werde «in diesen Tagen» der Bundeskanzlei unterbreitet, mit der Unterschriftensammlung beginne man im «Lauf des Frühlings».

Am Dienstag trat das Egerkinger Komitee erneut vor die Medien: Die Verhüllungsverbots-Initiative sei nun bei der Bundeskanzlei eingereicht, «sobald als möglich» beginne man mit dem Sammeln der Unterschriften. Kurz: Viel passiert ist in diesen neun Monaten nicht.

Es ist den Initianten zugutezuhalten, dass sie entwaffnend ehrlich zugeben, der Zeitpunkt der Ankündigung stehe im Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen. Sie wissen: Mit der diffusen Furcht vor einer extremen Form des Islams, die seit der Minarett-Vorlage noch zugenommen haben dürfte, lässt sich gut Stimmung machen.

Das macht die neue Initiative freilich nicht besser. Zugegeben, mit einer komplett verhüllten Frau zu sprechen, mag irritieren. Ihr Schleier ist Ausdruck eines patriarchalen Gesellschaftsmodells, das nicht unserem Verständnis entspricht.

Aber haben Sie das schon mal getan? Ich jedenfalls nicht – was bei den geschätzten hundert Burkaträgerinnen in der Schweiz auch nicht weiter erstaunt. Die Initiative will also ein «Problem» lösen, das zumindest hierzulande keines ist.

antonio.fumagalli@azmedien.ch