Kommentar

Armee-Chiffriergeräte: der befugte Vierte

Das Logo des Chiffriergeraete-Herstellers Crypto am Hauptsitz in Steinhausen im Kanton Zug.

Das Logo des Chiffriergeraete-Herstellers Crypto am Hauptsitz in Steinhausen im Kanton Zug.

Da ist eine Firma, die eng mit dem US-Geheimdienst kooperierte. Da sind Anschuldigungen, diese Firma habe die Verschlüsselgeräte manipuliert Da sind ehemalige Mitarbeiter, welche diese These bestätigen. Die Firma selbst bestreitet sie vehement.

Die Firma liefert auch der Schweizer Armee diese hochsensiblen Geräte, mit deren Hilfe grosse Datenmengen verschlüsselt werden können. Die Geräte kommen im Führungsnetz Schweiz zum Einsatz. Das ist nichts Geringeres als jenes Sicherheitsnetz, das in Krisensituationen die Versorgung und Führung des Landes garantieren muss. Kann somit die NSA die Schweizer Krisenkommunikation kontrollieren? Ein ungeheuerlicher Verdacht. Die Armee sagt: unmöglich. Die Firma sagt: Unbefugte Dritte haben keinen Zugriff. Nur: Das dachten Länder wie Iran oder Libyen auch, bis sie erfuhren, dass es einen befugten Vierten in den USA gab.

Edward Snowden hat uns zu Recht misstrauisch gemacht. Die NSA macht, was sie kann, um an sensible Daten heranzukommen. Die Crypto-Geschichte bleibt mysteriös. Dies hat auch mit dem intransparenten Beschaffungsverfahren zu tun. Eine öffentliche Ausschreibung gab es nicht. Armasuisse, die für Rüstung zuständige Behörde, hat den Auftrag im Einladungsverfahren vergeben. Da werden Anbieter direkt und ohne Ausschreibung zur schriftlichen Abgabe eines Angebots eingeladen. Preise, Menge, Auswahlkriterien: Top secret. Der kleine Bürger tappt im Dunkeln. Und möglicherweise auch jene, die angeben, die Lage unter Kontrolle zu haben.

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