Ranglisten sowie Bewertungen sind beliebt, ja geradezu «hipp». Wohl nicht zuletzt deshalb werden selbst in der Schweiz neudeutsche, also englische Bezeichnungen verwendet: Rankings sowie Ratings. Solche Rangfolgen kommen in letzter Zeit fast inflationär in Medienberichterstattungen vor. Woher stammt jedoch dieses scheinbar breite Interesse an Rankings, und – noch wichtiger – wie bedeutsam sind deren Ergebnisse tatsächlich? Droht unserem Land sogar ein «Ranking-Chaos»?

Dass Ranglisten durchaus Sinn machen können, zeigt sich insbesondere im Sport. Der FC Basel steht (wie immer) auf Platz 1 vor den Grasshoppers auf Platz 2 in der Fussball-Meisterschaft; im Eishockey führt HC Fribourg-Gottéron die Rangliste an vor dem EV Zug; entscheidend sind die erzielten Punkte. Roger Federer sowie Stan Wawrinka nehmen auf der Tennisweltrangliste die Positionen 2 und 4 ein, ebenfalls basierend auf einem Punktesystem.

Doch Rankings haben sich vom Sport losgelöst: Kürzlich hat die «Neue Zürcher Zeitung» ein «Ökonomen-Einfluss-Ranking» publiziert, in dem die (angeblich) zwanzig wichtigsten Ökonomen der Schweiz aufgeführt und mit Fotos abgebildet wurden. Interessant erscheint, welche Kriterien die «NZZ» für den «Einfluss» der Per-sonen – mehrheitlich Professoren – und damit für deren Berücksichtigung zur Rangliste her-anzog: Wissenschaft (ausgedrückt durch die Anzahl von Zitaten in Publikationen), Politik sowie schliesslich Medienwirksamkeit.

Exkurs: Ich wurde mehrfach gefragt, weshalb ich nicht auf dieser Liste erscheine, da ich doch sehr medienpräsent sei; zudem könnte ich auf mehr als 120 wissenschaftliche Publikationen verweisen. Antwort: Obwohl ich oft (und fälschlich) als «Wirtschaftsprofessor» in den Medien zitiert werde, bin ich ein Wirtschaftsrechtsprofessor, also ein Jurist und kein Ökonom – und für unsere Berufsgattung gibt es «leider» (noch) kein Ranking. Ende Exkurs.

Besonders beliebt im aktuellen Wahlkampf sind Politiker-Ranglisten, als Auswahl: «Aussenwirkung der Parlamentarier – Tops und Flops» bzw. «Die grössten Hinterbänkler» («SonntagsBlick») oder «Parlamentarier Rating» nach «Links-Rechts-Skala» («NZZ»). Seit Jahren werden zudem die Bekanntheit und die «Beliebtheit im Volk» der Bundesräte rangiert.

Auch Hotels sowie Köche – die neusten Promis in «Glanz & Gloria» – erhalten Punkte oder Sterne oder Kochmützen. Ratings werden ebenfalls im Bildungsbereich erstellt, etwa das «Masters- in-Management-Ranking» («Financial Times») oder verschiedene weltweite Ranglisten betreffend Universitäten. Schliesslich gab es – als letztes Beispiel – Rankings für Wirtschaftsanwälte in der Schweiz («Bilanz»), wobei der Unterzeichner der Jury angehörte.

Die Ratings und Rankings zu fast allem und fast jedem dürften auf einen verbreiteten Wunsch nach Ordnung zurückzuführen sein. Ranglisten vermitteln vielen Menschen Orientierung, ein Gefühl der Sicherheit nach dem Motto: «Da weiss man, was man hat». Doch ist dies regelmässig ein Irrglaube. Die Ersteller von Rankings geben oft vor, dass objektive oder objektivierbare Faktoren die Basis seien. Meist ist dies Blödsinn und stellt eine Schutzbehauptung dar, um eine Rangliste glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Nicht wenige Ratings scheinen auf Willkür sowie auf persönlichen Vorurteilen zu beruhen.

Rankings entsprechen nicht Naturgesetzen und sind leicht manipulierbar. Ausschlaggebend sind einerseits die Kriterien für die Punktevergabe sowie andererseits deren «Gewichtung». Dass die «Methodik» nicht selten willkürlich ist, weiss jeder, der bei den Ranglisten das Kästchen «Wie das Ranking erstellt wurde» liest. Offen gesagt: In aller Regel könnte (und sollte) auf solche Ratings verzichtet werden. Wobei … bin ich da allenfalls etwas zu streng? Winston Churchill soll gesagt haben, dass er nur den Statistiken und Ranglisten glaube, die er selber gefälscht oder manipuliert habe – wahrlich, ein kluger Mann.

Vor diesem Hintergrund schlage ich hiermit ein Ranking vor für die männlichen Universitätsprofessoren zum Wirtschaftsrecht in der Schweiz, die älter als 50 Jahre, grösser als 1 Meter 90 und schwerer als 110 Kilogramm (nur momentan!) sind sowie ein einstelliges Golfhandicap spielen – ich bin wirklich gespannt, wie diese «Rangliste» aussieht, und wer als «Gewinner» hervorgeht …