Die Festtage und der Beginn eines neuen Jahres laden geradezu ein, sich Gedanken über die unmittelbare Zukunft zu machen. Ein alter Freund von mir pflegt jeweils zu sagen, im Leben müsse man letztlich nur eines, nämlich sterben. Auch wenn sich dies etwas makaber anhört, so liegt doch ein Körnchen Wahrheit drin. Das könnte nun dazu verleiten, alles andere als unbedeutend oder allenfalls als gottgegeben zu betrachten. Dem ist natürlich nicht so und es darf auch nicht sein.

Seit die Menschheit existiert, versucht sie die Zukunft zu berechnen und letztlich auch zu beeinflussen. Waren es im Altertum die Sterndeuter, so wurden diese später durch die Wahrsager und andere im Dunstkreis der Pseudowissenschaft angesiedelte Praktiken abgelöst. Heute glauben nicht wenige Leute an Horoskope und lassen sich für gutes Geld solche erstellen.

Zufällig sah ich in einer – auch einfachen Leuten wie mir zugänglichen – Zeitschrift, ein solches. Der Gwunder packte mich, und als einer im Sternzeichen Löwe Geborener interessierte mich, was denn so alles zu erwarten wäre. Eigentlich hätte mich das nackte Grausen packen sollen. Gar nichts Gutes wurde da verheissen, im Gegenteil: Kummer und Elend in Aussicht gestellt. Ich vertraute die Schrift eilig dem runden Ordner an.

Glücklicherweise können wir mehr zu unserem eigenen Schicksal beitragen, als wir oft glauben. Dabei sind ein gesundes Selbstvertrauen und der gelegentliche Mut, zu wissen, dass das Leben an und für sich ein Risiko darstellt, hilfreicher als der Rückzug ins selbst gewählte Schneckenhaus. Damit rede ich keineswegs Unwägbarkeiten und Risiken das Wort, die sich nicht eingrenzen und nicht abschätzen lassen. Im Gegenteil, Seriosität und Sachlichkeit lassen sich nicht wegbedingen.

In der Politik ist es nicht anders. Ich will die Probleme mit Europa und allenfalls auch darüber hinaus weder kleinreden noch ausblenden. Allerdings komme ich nicht um den Gedanken herum, dass, wenn wir alles zum Nennwert nehmen wollten, wir bald einmal zur freiwilligen Topfkollekte anstelle der Unternehmensbesteuerung übergehen könnten. Alles, was zählt, sind die Steuervergleiche mit Europa und neuerdings vor allem mit den USA. Auch hier bestehen Unterschiede und es gibt mit Sicherheit einen – meiner Meinung nach allerdings begrenzten – Handlungsbedarf.

Die Frage muss erlaubt sein: Gibt es denn nicht auch noch andere Bereiche, die wir vermehrt in Betracht ziehen sollten? Bildung, besonders die Berufsbildung, Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und nicht zuletzt den in aller Regel unproblematischen Behördenzugang, um nur einige zu erwähnen. Stattdessen wird – und nun sind wir wieder bei den Prognosen – der Massenexodus der meisten potenten und zukunftsfähigen Unternehmen in Aussicht gestellt. Anstatt die Vorteile der Schweiz in den Vordergrund zu rücken, werden tatsächliche oder beim näheren Zusehen oft auch nur vermeintliche Nachteile betont.

Auch ich bin der Meinung, wir brauchen eine wirtschaftspolitische Offensive und auch für mich ist klar, dass dies etwas kosten wird. Es geht aber um die Frage des Masses und bekanntlich ist die Vernunft nicht teilbar und zu verordnen leider auch nicht. Selbstverständlich höre ich den Einwand, man müsse jetzt nur möglichst viel investieren, um in späteren Jahren das Mehrfache wieder einzunehmen. In der Theorie mag das stimmen, in der Praxis kaum einmal. Aus dem einfachen Grund, weil sich die meisten Teilnehmer in diesem «Steuerwettbewerb» anders verhalten, als wir es gerne hätten.

Die einen werden bei Zeit und Weile weltweit andere noch günstigere Staaten suchen oder die Schweiz weiter unter Druck setzen. Somit kann das Spiel weitergehen. Und wir sollten die Sozialwerke sanieren, mehr in die Infrastrukturen investieren, die Krankenversicherungsprämien bezahlbar halten und neue Kampfflugzeuge beschaffen. Dieser Katalog liesse sich ohne weiteres fortsetzen.

Hinstehen und den Leuten, auch jenen, die von sich behaupten, sie hätten mit dem Staat wenig am Hut, erklären, dass alles, was wir uns an technischen, sozialen und auch wirtschaftspolitischen Errungenschaften leisten, letztlich Geld kostet, ist weit verdienstvoller als nach der Devise «Geniesse heute und bezahle morgen» zu handeln. Die Politik ist definitiv kein Spielfeld für Prognostiker, vor allem nicht für jene, bei denen oft der Wunsch Vater des Gedankens ist.