Der Olymp lag im Hallenstadion. Nicht unten, im Dämmer, wo 5000 namenlose Sterbliche auf Offenbarung warteten. Sondern oben, auf dem lichtgefluteten Altarpodium. Über allen leuchtete das Logo der Finanzkathedrale wie die Taube des Heiligen Geistes an Pfingsten. Darunter thronten – vor knapp vier Jahren – die Spitzen der UBS wie Kardinäle. Der massgeschneiderte Anzug war ihr Ornat, das beinlose Schweben zur Pultkanzel ein liturgischer Akt. Und wenn sie anhoben, Bilanzen und Gewinnvisionen zu psalmodieren, stand jeder Verkünder auf der silberbeschichteten Video-Leinwand in Übergrösse wie in einer Lünette. Alle Kameras filmten die Erlauchten devot nur von unten.

Jetzt hat die Optik gewechselt – zumindest der Standort der Kameras. Sie filmten alles von oben. Elf Mitglieder des britischen Parlaments, darunter ein Geistlicher, wollten sich den UBS-Sündenkatalog anhören: Milliardenverluste beim Zocken, Mauscheleien bei Referenz-Zinssätzen, Steuerstreit mit US-Behörden ... – im Vergleich zur globalisierten Bankenwelt wirkt ein sizilianisches Nest wie Corleone wie ein Heididorf. Die Abgeordneten sassen in Hufeisenform; ihnen gegenüber die aktuellen und früheren UBS-Granden. Mit verschränkten Händen mimten sie wenigstens ein bisschen den Büsser. Sie wussten, dass sie nichts befürchten mussten. Allenfalls zog man ihnen wegen schmutziger Worte die Ohren lang. Tatsächlich fragte ein Abgeordneter, in Bezug auf die «paar schwarzen Schafe» in der UBS: «Kommen diese Kerle schon mit schlechten Manieren, oder lernen sie ihre grobschlächtigen Ausdrucksweisen in der Bank?» Eine eigentliche Beichte legte drum keiner ab.

«Es ist kompliziert», sagte Andrea Orcel mehrmals, Chef des Investmentbankings. Sein sonnengebräunter Teint, sein Spiel mit den Brauen, das smarte Lächeln wirkten wie aus der Nespresso-Reklame (George Clooney ist nur zwei Jahre älter). Als Orcel das Hearing hinter sich hatte, genehmigte er sich wohl entspannt einen Kaffee. «Business as usual?», grinste bestimmt einer. «What else?»