Gefühlt wird dieser Feind jedes Jahr aggressiver. Die Bienen verschwinden still, Wespen aber surren auf – Rachegeschwader am Himmel.

Panisch schlagen wir um uns, wo wir ruhen wollten und grossartig schnorren. In der Gartenbeiz vergällen uns Wespen jedes Schnitzel, jedes Pepita, jeden Coupe Nesselrode. Am Menschen dulden sie nichts, weder die ausgestreckten Beine noch das selbstgefällige Grinsen. Fast sehe ich ihr Monsterauge im Triumph glimmen, wenn wieder mal nur drei Stuka-Wespen ein halbes Freiluft-Restaurant in einen irren Fuchtelhaufen verwandelten.

Jeden Rat habe ich befolgt; keine Methode vergrämte die Viecher. Nelken in Zitronen? Von zehn Wespen säuerte das vielleicht eine an. Eine Wespe zerquetschen und den Kadaver zur Abschreckung aller aufs Tischtuch bahren? Oder gar im Pepita ersaufen lassen? Wespen sehen alles, aber sie gehen offenbar über Leichen, selbst bei Kameraden. Andererseits alarmieren sie, wenn nach Kameraden geschlagen wird, andere Wespen und schalten in der giftig-gelben Staffel dann wirklich um auf Krieg, sagen Experten. Sie einfach anzupusten, sei auch nicht ratsam: Wenn wir ausatmen, setzen wir Kohlendioxid frei, was Wespen wiederum als Alarmsignal auffassen.

Nun seien Wespen überhaupt nicht feindlich unterwegs, beschwichtigen Experten weiter. Wespen hätten kein anderes Interesse, als ihre Brut zu nähren – und frässen darum alles. Etwa Mitte September sei diese letzte Pflicht im Jahr erfüllt. Dann werde die Gartenbeiz wieder gemütlicher. Klar, sobald es draussen wieder Katzen hagelt!

Im Lauf der Zeit haben sich viele Säugetiere zu sogenannten Kulturfolgern entwickelt: Sie nutzen artfremde Räume und schleichen in urbane Gefilde des Menschen. Das tun auch Vögel – und Insekten! Küchenschaben, Winkel- und Zitterspinnen ... Möglicherweise haben alle Wespen dieser Welt dafür mobilisiert. Der Mensch steht im Herbst seiner Vorherrschaft – her mit dem Gripen!