Mit organisatorischer Zähigkeit und pragmatischem Blick, immer schon verlässliche Tugenden in diesem sauberen Land, hat man das Problem in den Griff bekommen. Das meldeten zumindest die Zürcher Behörden diese Woche. Die Lösung heisst «Verrichtungsbox».

Das Wort «Verrichtungsbox» erinnert stark an die Massnahmen zur «Versäuberung» von Hunden. Da hiess die Lösung «Robidog». Natürlich hat auch dieses System ein Schweizer erfunden. Aus beidem kann man zweierlei lernen: Zunächst muss man unsentimental genug sein, ein unappetitliches Problem in der Öffentlichkeit aufs Kernproblem zurückzuführen: die Hygiene. Und dann muss man cool genug sein, es «praxisorientiert» zu lösen.

Ohne jede Einschränkung: Die «Verrichtungsbox» ist ein Sieg des Beamtentums über die Sünde. Gegen den modernen liberalen Beamten hat die wilde Sünde mit ihren wilden Deponien keine Chance. Auch nüchtern betrachtet, ist das eine kleine Sensation: Jahrhundertelang versuchte man, Schmutz und Laster mit Moral einzudämmen. Der Beamte des dritten Jahrtausends braucht keine Moral, keine Hölle. Bildlich gesagt, braucht er nur Zonenplan, Wischmopp und Eimer.

Natürlich wurden die Versäuberer belächelt. «Moderner Zwinglianismus» war noch das höflichste Attribut. Das Kapitel wird mit Sicherheit nie in die Kulturgeschichte eingehen unter dem Oberbegriff «romantisch». Aber: Was wäre am früheren Zustand denn «romantischer» gewesen? Was ist überhaupt noch «romantisch» in einer Zeit, die Sex zwar nach wie vor «das Geschäft mit der Liebe» nennt, aber eine allfällige Schnittmenge beider Zonen völlig aus den Augen verloren hat? Strikte trennt zwischen Geschlechts-Hygiene und Gefühl. Die zwei Bereiche so stark auseinander zwingt, dass zum einen Sex gefühllos und zum anderen Liebe geschlechtslos geworden sind. Den Beamten kommt’s zupass: Ihre Arbeit wird laufend leichter.