In den Bergen werden laufend mehr Schwindel-Plattformen errichtet, sogenannte Skywalks. Der neuste wird morgen eröffnet, auf der 3842 Meter hohen Aiguille du Midi, im französischen Mont-Blanc-Massiv. «Pas dans le Vide» heisst er, «Schritt ins Leere». Fünf Glaswände und ein Glasboden umschliessen eine Stahlkonstruktion. Der Blick unter den Füssen stürzt ab, 1035 Meter tief.

In der Schweiz gibt’s längst eine stattliche Zahl von Skywalks. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien genannt: «Il Spir» bei Flims über der Ruinaulta. Der Skywalk auf dem Hochstuckli, Europas längste Hängebrücke. Die Plattform Cardada, mit Blick auf die Magadino-Ebene. Der «Hot Spot Gemmi», hoch über Leukerbad im Wallis. Und der neue «Cliff Walk» auf dem Titlis, Europas höchst gelegene Hängebrücke.

Man kann den Flirt mit dem Nichts erklären mit Geschäftssinn. Berge ohne Chilbi sind nicht unbedingt dröge, aber mit Chilbi fliesst mehr Kohle. Wer so spekuliert, sei indes an den «Vater aller Skywalks» erinnert, über dem Grand Canyon in den USA. Seit seiner Eröffnung liegen sich die Betreiber in den Haaren, mit Millionenverlusten und ganzen Kohorten von Anwälten: die Hualapai-Indianer, denen das Gebiet gehört, und ein Investor aus Las Vegas. Der «Himmels-Spaziergang» wurde zur Hölle. Es gab Indianer, die immer schon davor warnten: Der heilige Berg, sagten sie, werde entweiht.

So reden halt Indianer – hugh! Die Bleichgesichter lassen sich ihr Vergnügen auf Butterknien nicht nehmen. Alle machen sie ein pseudo-schreckhaftes «Selfie» aus der Handy-Kamera. Das werden die merkwürdigsten und typischsten Dokumente sein an die Zeit nach 2000, wenn eines Tages alle Dämme und Böden brechen: viel Spass-Narzissmus über dem Abgrund.