Vorgestern war im deutschen Fernsehen eine Sendung zu sehen über Kinder von sogenannten 68ern. Die Eltern gingen zuerst ins Labor freier Liebe, dann nach Indien zum Guru und schliesslich in die Schreitherapie. Heute zeigt sich: Auch ihre Kinder schrien, aber still. Die Mutter im orangeroten Gewand war ihnen hochnotpeinlich. Das Durcheinander machte ihnen Kummer. Sie beneideten Gschpänli, die abends an den Herd bürgerlicher Familien zurückkehrten. Das deckt sich mit weitverbreiteter Erfahrung: Kinder wissen nichts von den Unwägbarkeiten erwachsener Liebe. Aber ein paar Jahre lang Mama und Papa zuverlässig um sich zu haben, einigermassen miteinander in Frieden, stabilisiert sie.

Beziehungen im Gesetz zu regeln, muss vom Wohl der Kinder ausgehen. Das Nest muss sozusagen bestellt sein, trotz allem Unordentlichen um das Nest herum. Mögen Eltern ihre Ehe als Scheinstabilität empfinden – Kinder tun es bis zur Pubertät nicht. Danach kann man die Dinge behutsam lösen.

Und jetzt zur Polygamie: Unvernünftig ist es nicht, bei der Dauerknacknuss Treue, an die Mehrfach-Beziehung zu denken. Nicht jede Gesellschaft, die das erlaubt, tut das aus Borniertheit. Aber wie formuliert das etwa der Koran? «Nehmt euch als Frauen, was euch gut erscheint, zwei oder drei oder vier. Doch wenn ihr fürchtet, ihnen nicht gerecht werden zu können, heiratet nur eine.» Nicht «gerecht werden» bedeutet erstens: alle wirtschaftlich tragen können. Zweitens: allen auch seelisch gerecht werden. Damit niemand leidet. Dieser Zusatz wird gern übersehen.

Und Achtung: Polygamie diskriminiert die Frauen. Ihnen sei die Polyandrie (Vielmännerei) nicht vorenthalten. Und uns allen nicht die Polygynandrie (Gruppenehe). Die biedere Justizministerin könnte bald noch ihr blaues Wunder erleben.