«Sehr geehrter Herr Gl(en)...
Glasenberg

Diese Woche habe ich im Nachrichtenmagazin ‹5 vor 12› gesehen, dass man sich ein Studium auch privat sponsern lassen könne. Ein entsprechendes Gesetz soll im Kanton Luzern zur Debatte (füh...) stehen. Ich stehe vor der Matura und plane, danach Philosophie, Literatur, Theologie ... einfach etwas Geistvolles zu studieren.

Leider ist die Gesellschaft aktuell nicht darauf eingerichtet (darauf erpicht), dass junge Leute Sorge tragen, Geist und Seele nicht verkümmern zu lassen. Junge Leute sollen rasch, zielführend und kostensparend etwas Nützliches erlernen. Mithelfen, das Bruttosozialprodukt zu steigern. Mir widerstrebt das keineswegs. Nur fürchte ich, dabei unglücklich zu werden. Ich fürchte, als stumpfe(r)s Teil einer Maschine meine besten Jahre zu vergeuden. Ich meine, der Mensch dient dem Ganzen besser, wenn er weiss, von welcher Geistesart er sei, von welchem Wesen (tief innen).

Keine Angst: Ich werde Ihnen nicht auf der (faulen) Tasche liegen. Ein bisschen Musse – das wäre nicht von schlechten Eltern. Drum möchte ich Sie fragen: Könnten Sie privat mein Studium powern? Es ist mir bewusst, dass Sie darauf eine Rendite erwarten dürfen. Ich denke an ein Prozent mit einer Laufzeit von zwanzig Jahren. Mit 7000 Franken monatlich und einer Laufzeit von (sieben) zehn Jahren glaube ich, über die Runden zu kommen.

Ich habe mich etwas schlaugemacht, wo ich dank Ihres Sponsorings studieren könnte. Die Karibik wäre ideal, um Geist und Seele (baumeln) reifen zu lassen. Notfalls auch Miami.

Ich bin sicher, dass Sie etwas Gutes tun wollen, gerade der vielen Anfeindungen in der (Schlamm)Schmutzpresse gegen Sie wegen. Dafür haben Sie ja gespart, wie ich lese, trotz Verlusten. Dividenden in Millionenhöhe müssen Sie ja nicht versteuern. Investieren Sie in einen vielverspreche(r)nden Jungen! Ich erlaube mir, einen Einzahlungsschein beizulegen.»