Als Schweizer Soldatenreihen noch nicht eierten und reiherten beim Vorbeimarsch, als Schweizer Rekruten noch fähig waren, in «einer Sekunde pro Mann» auf einen 2DM-Lastwagen «zu verladen» – zwanzig Mann gleich zwanzig Sekunden, auch auf Kosten herausgeschlagener Zähne wegen der Gewehrläufe nachfliegender Kameraden –, als Schweizer Füsiliere erst am Samstagnachmittag in Urlaub gehen durften, nicht ohne im Zug von der Heerespolizei auf korrektes Tenü kontrolliert zu werden, aus der guten alten Zeit des Schweizer Soldaten also, will ich eine Anekdote erzählen:

Wie befohlen hatte ein Peloton Füsiliere in zwanzig Sekunden in aller Herrgottsfrühe «verladen» und wurde mit dem 2DM ins Toggenburg «geschüttelt». Es seichte in Strömen. Vorschriftsmässig waren die Seiten- und Rückplane des Lastwagens heraufgerollt worden, wegen der Abgase; der kalte Dauerschiff spielte keine Rolle. Die Männer blökten wie die Kühe. Einige, die zuhinterst hockten, hatten sich mit Gras versorgt und rauchten. In den Haarnadelkurven über die Wasserfluh nach Lichtensteig wurden sie jeweils der verladenen Herden hinter ihnen ansichtig. Und in jeder Haarnadelkurve schrien die Bekifften den Nachfolgenden Schlötterlige zu und zeigten ihnen den Stinkefinger.

Den Stinkefinger zeigt heute – auf einem Plakat der Jungen SVP Waadt – ein Hippie, dem eine Nadel im Oberarm steckt. Er beleidigt damit einen properen Schweizer Soldaten, der mit properer Frau und Kind neben dem Hippie steht. Das Plakat fragt: «Welches Vorbild wollen wir?» Die Botschaft ist offensichtlich: Wer nicht Wehrdienst leistet, verwahrlost.

Meine Anekdote stammt aus den Siebzigerjahren, der hohen Zeit der Hippies. Die gleiche Zeit, da in der Armee «noch Zucht und Ordnung herrschten». Soldatenleben bleibt sich durch die Jahre erstaunlich ähnlich. Hingegen hat die plakative Dummheit zugenommen. Wie man die Milizarmee auch reformieren will – gegen die grassierende Dummheit ist damit gar nichts gewonnen.