Die Kolumne am Freitag

Chávez und das Gift der Debatte

Was von uns macht noch was her im Untergang?

Was von uns macht noch was her im Untergang?

Was muss man halten von Hugo Chávez in Venezuela? Der Mann spaltet die Farben des Lichts, das auf ihn gerichtet wird, als wäre er ein Prisma. Darüber entbrennt oft heftiger Streit.

«Die Nordwestschweiz» beleuchtete während der letzten Wochen die Präsidentschaft von Hugo Chávez kritisch. Das rief wiederum Kritiker der Kritik auf den Plan – etwa den Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Diese Woche fragten wir darum Cédric Wermuth an, ob wir nicht einmal über das Thema Chávez und Venezuela reden könnten – öffentlich.

Wermuth lehnte ab. Das ist sein gutes Recht. Und in mindestens einer Hinsicht klug. Bei der Figur Chávez kommt man um eine Falle kaum herum: sich dem Verdacht der «Verblendung» und «propagandistischen Einseitigkeit» auszusetzen. Zu helldunkel liegen da alle Dinge. Zu widersprüchlich erscheint der Machthaber selbst; wechselweise «schillernd», «charismatisch» oder «unberechenbar». Auf jede Facette einzugehen und keine zu unterschlagen, würde wohl den Platz im Blatt sprengen. Und hülfe am Ende doch nicht gegen den Vorwurf der «Einseitigkeit» oder «Verkürzung». Aus einem simplen Grund: Nie ist die Debatte über Chávez frei von einem eigentümlichen Gift – von ideologischer Färbung.

Das wirkt wie ein Widerhall an die ungleich heftiger geführten Meinungskämpfe während der Achtzigerjahre im letzten Jahrhundert. Damals galt das Interesse Befreiungskriegen in Zentral- und Lateinamerika, die vermischt waren mit letzten Stellvertreterkriegen im Rahmen des Kalten Krieges. Auch darüber hätten wir mit Wermuth reden können. Gibt es bei politischen Einschätzungen eigentlich keine ideologiefreien Urteile? Ist das ganz und gar unmöglich? Cédric Wermuth hält schon die Rede von Ideologiefreiheit für ideologisch. Das erinnert ein wenig an den Gemeinplatz vor vierzig Jahren, wonach «alles irgendwie Politik ist». Und ans Parallelcredo heutzutage: «Alles ist irgendwie ökonomisch.» Und immer sucht der Geist, was neben diesem «irgendwie alles» noch unangekränkelt davon wäre.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1