«SRF Börse» ziehe ich mir rein wie Schnupftabak. Aufquellendes Lachgas vernebelt das Hirn, reizt und steigt weiter, das Gesicht grimassiert, und in einem Akt universaler Befreiung niese ich endlich Rotz und Wasser.

Die Würze steckt im Jargon, die Komik im Unterschied zwischen nichtssagender Prognose und allwissender Attitüde. Die schizoide Haltung ist unerlässlich. Der Mann ist schliesslich «Börsenprofi» oder «Anlagestratege». So was spielt man nicht aus im Wissen, nichts zu wissen. Man wirds, indem man alles tut, um es zu verschleiern.

Am Kopf eines «Anlagestrategen» darf nichts an Mike Shiva erinnern, seine Kleidung nicht eine esoterische Faser enthalten. Die hohe Kunst liegt dann darin, Weissagungen – sprich: über den Daumen gepeilte Halluzinationen, so weit mit Kryptosachlichkeit zu verbinden, bis sie nicht mehr Sternennebeln oder Hirnerweichung entstammen können, sondern einer unerbittlichen Logik folgen, die allen sonst nur als Labyrinth erscheint. So wird der Börsenstratege zum blinden Schafhirtensohn der Moderne.

Der Anlageprofi rät etwa dazu, «Ruhe zu bewahren, es kommen wahrscheinlich wieder bessere Zeiten». Dann, wenn «zur Angst einer Kehrtwende in der Geldpolitik der USA nicht auch noch Sorgen kommen über eine Kreditklemme in China». Diesem «wahrscheinlich», aus dem Mund des Fachmanns – wie sind wir ihm doch dankbar! Sonst könnten wir nachts, zwischen Geldpolitik und Kreditklemme, wieder mal kein Ohr bügeln. «Wahrscheinlich» – so präzise prophezeit dir das sonst keiner. Jahre der Erfahrung sind nötig, Tag und Nacht muss der Profi auf Computer-Bildschirme mit Fieberkurven starren, um am Ende abgeklärt dieses äusserste, dieses hohe, dieses tollkühne Wort zu wagen: «Wahrscheinlich kommen wieder bessere Zeiten»!

Ha...ha... tschi! Gesundheit.