Es sei ein «sehr starkes Signal, dass man nicht einfach so die Grenze überqueren kann», erklärte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve dazu. Das Gleiche beanspruchen die Behörden Mazedoniens, die den Ausnahmezustand verhängt haben und Soldaten an die Grenze zu Griechenland schicken.

Die «starken Signale» entlarven in Wahrheit vor allem die Ohnmacht der europäischen Behörden. Solche punktuellen Polizei- und neuerdings gar Militärmassnahmen verlagern meist nur das Problem: Wenn die Schlepperbanden in Calais nicht mehr durchkommen, werden sie sich ins benachbarte Dünkirchen oder in einen belgischen Kanalhafen verlegen. Und die Migranten werden eben nicht mehr nach England ziehen, sondern nach Deutschland oder Schweden.

Cazeneuve traf gestern nach seiner britischen Amtskollegin Theresa May auch den deutschen Innenminister Thomas de Maizière. Diese Minister können die Migrantenfrage aber so wenig lösen wie die mazedonische Armee. Die Antwort muss auf europäischer Ebene erfolgen. Dafür gibt es die EU, dafür gibt es den Europäischen Rat mit seinen vierteljährlichen Gipfeltreffen. Bislang vermochten sich die Staats- und Regierungschefs allerdings nicht einmal auf Flüchtlingsquoten zu einigen. Dabei müssten sie sich viel weitergehender absprechen und eine europäische Ausländer- und Flüchtlingspolitik beschliessen.

Gewiss ist das Thema innenpolitisch sehr heikel. Doch je länger die Merkels, Hollandes und Camerons zuwarten, desto grösser werden die Ängste in den Bevölkerungen, desto stärker die ausländerfeindlichen Parteien. Schengen gehört angepasst, die Asylpolitik harmonisiert, die Polizeiarbeit gerecht verteilt. Das wäre nicht genug, aber schon einmal ein echtes Signal an die Herkunftsländer.